Fertiggerichte mit Vitaminen, Joghurt mit speziellen Bakterien ... – aus Nahrungsmitteln wird so „functional food“ (Funktionsnahrung). Gesund sind sie zumindest für die Lebensmittelindustrie.
In der Werbung haben Lebensmittel-Hersteller Verständnis dafür, dass wir uns nicht gesund ernähren können: Kaum jemand hat noch Zeit, „richtiges“ Obst oder Gemüse zu essen, oder selbst zu kochen. Probiotische Joghurts oder Vitamine zum Trinken würden uns helfen, das wieder auszugleichen.
Unnötig. „Die meisten angereicherten Produkte sind unnötig“, behauptet die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky in ihrem Buch über „Functional Food“. Die bekanntesten angereicherten Nahrungsmittel sind Joghurts. Ein „probiotisches“ Joghurt ist mit Milchsäurebakterien, Lactobazillen, angereichert. Die sind im normalen Joghurt genauso enthalten, wenn auch in geringeren Mengen.
Hirnnahrung. Kritisch sieht Sabersky auch den Zusatz von Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch enthalten sind. Omega-3 ist für die Entwicklung von Hirn und Nervenzellen förderlich. Es gibt heute Brot und Eier, die mit Omega-3 angereichert werden. Der Effekt ist, dass an sich gesunde Lebensmittel fetter und damit cholesterinreicher werden. Wer öfter Fisch isst, braucht diese Anreicherung nicht.
Kinder-Nahrung. Annette Sabersky warnt vor Kinderlebensmitteln, die mit Vitaminen angereichert sind. Denn auch bei Vitaminen ist eine Überdosierung nicht gesund. Die meisten Kinderlebensmittel sind noch dazu gesüßt, schaden damit den Zähnen und machen eher dick als gesund.
Genießen. Die Ernährungswissenschaftlerin plädiert daher, traditionelle Lebensmittel zu verwenden: „Die man einfach nur kaufen und kochen muss. Und natürlich essen, und zwar mit Genuss.“