Ausgabe: 2008/46, Solidarität, solidarisch, Verfolgte, Mossul, kurdisches Dorf, Huber, Christen, Irak, Verfolgung, Bischofskonferenz, Gebetsabend für die Christen im Irak,
12.11.2008
- Susanne Huber
Gewaltakte gegen Christen in Mossul sind trauriger Alltag. Eine 4-köpfige Delegation war im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz im Nordirakt um sich mit den Vertriebenen solidarisch zu erklären und Hilfsmaßnahmen zu entwickeln.
Gequält, bedroht, vertrieben. Rund 15.000 Christen seien seit Ende September dieses Jahres aus Mossul geflüchtet, berichtete der Wiener Weihbischof Franz Scharl nach seiner Rückkehr aus dem Nordirak. „Drohungen und Gewalt haben bei den Christen Angst und Panik ausgelöst. Die Flüchtlinge haben bei Freunden, Verwandten, in Pfarrgebäuden und Klöstern der umliegenden Dörfer Zuflucht gefunden. Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um den Christen im Irak eine gute Zukunft zu sichern“, so der Appell des Bischofs.
Solidarität. Tief betroffen zeigten sich die Delegierten von den bedrückenden Gesprächen mit traumatisierten Irak-Flüchtlingen. Berührend war, dass sich die Menschen gegenseitig helfen. Es komme nicht selten vor, dass muslimische Familien den Christen in ihrer Not mit Hilfslieferungen beistehen. „Das war ein wichtiges Zeichen, das wir erleben durften“, betonte Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer. „Es zeigt, dass es im Irak nicht um Gewaltakte der Moslems gegen die Christen geht. Das wäre eine zu einfache Darstellung der Situation. Drahtzieher der Anschläge sind Gruppen von Extremisten, die die restliche Bevölkerung terrorisieren. Gewalt und Not im Irak ziehen sich durch alle Gruppen und Landstriche. Die Christen sind davon besonders betroffen.“
Politische Motive. Überzeugt davon, dass die Angriffe in Mossul nicht religiös motiviert sind, ist auch Heinz Hödl, Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz. Vielmehr gebe es laut den Gesprächspartnern im Irak, darunter die chaldäischen Bischöfe, politische Gründe. „Zum einen geht es um die Wahlrechtsreform, die im September verabschiedet wurde. Sie nimmt den Christen und anderen Minderheiten Rechte, die im Paragraph 50 geschützt sind. Zum anderen geht es um die Schaffung einer autonomen christlichen Region in der Ninive-Ebene“, so Hödl. Er bezeichnet eine Enklave von wehrlosen Christen als unrealistische Vision. „Die Christen stellen einen fundamentalen Teil der irakischen Geschichte und Kultur dar und wollen das auch bleiben.“ Ethnisch oder religiös reine Zonen zu schaffen würde nur Gewalt, Mord, Vertreibung und unermessliches Leid für unschuldige Opfer bedeuten, meint Petrik-Schweifer.
Hilfsprojekte. Ein Ziel der Irakreise war, die Christen zum Bleiben in ihrer irakischen Heimat zu ermutigen. „Dafür ist es wichtig, Zukunftsperspektiven zu schaffen, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können“, so der Theologieprofessor Hans Hollerweger. Der Gründer der „Initiative Christlicher Orient“ pflegt seit zwei Jahren über den Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, enge Kontakte zu den Christen in den Flüchtlingsdörfern im irakischen Kurdistan. Als dringendste Anliegen nennt Hollerweger den Zugang zu Bildung, die Wasserversorgung, die Hilfe im humanitären und medizinischen Bereich und die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten vor allem für die Jugend. Einige Projekte, z. B. ein Bienenstockvorhaben, konnten bereits finanziert werden. Um weitere Maßnahmen für die Diözesen im Nordirak zu starten, ist Hilfe notwenig. u Caritas-Spendenkonto: PSK 7.700.004, BLZ 60 000, „Irak-Hilfe“; u Spendenkonto „Initiative Christlicher Orient“: OÖ. Landesbank 313221, BLZ 54.000, „Irakhilfe“
- Veranstaltungshinweis: „Gebetsabend für die Christen im Irak“, Freitag, 21. 11. 2008, 19.00 Uhr, Krypta der Karmeliterkirche Linz, Landstraße Infos unter: ICO, Tel.: 0732/77 35 78, www.dioezese-linz.at/einrichtungen/ico
Stichwort
Bischofskonferenz
Die Situation der Christen im Irak war auch ein Thema der Öster-reichischen Bischofskonferenz (3. bis 6. 11.) im niederösterreichischen Großrußbach. Es sei unerträglich, dass 60 Jahre nach der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die beiden grundlegenden Rechte auf Leben und auf Religionsfreiheit „mit Füßen getreten werden“, so die Bischöfe. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass die Christen wie alle anderen Bürger in Mossul und im ganzen Irak wieder sicher leben können. Die Bischöfe fordern außerdem dazu auf, für die Christen im Irak zu beten.