In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Wer heute zum Kirchlein auf den Georgenberg pilgert, ahnt kaum, was sich unter dem kleinen, aber weithin sichtbaren Bau verbirgt. Erst die Grabungen von 1953/56 und 1975/81 brachten Hinweise auf die darunter verborgene, über zweitausendjährige Geschichte. So fand man die Fundamente eines Tempels, der von den keltischen Boiern errichtet und von den Römern zerstört wurde, wie auch Münzfunde bestätigen. Ihm folgte im 5. Jahrhundert eine frühchristliche Kirche mit einer steinernen Apsis, deren Grundmauern im heutigen spätgotischen Chor zu sehen sind. Außerhalb der Kirche kamen zahlreiche Gräber zutage, erschreckend viele von kleinen Kindern. Im Langhaus fand man Pfostenlöcher. Sie stammen wahrscheinlich von einem frühmittelalterlichen Holzbau, der im 12. Jahrhundert durch eine steinerne Kirche ersetzt wurde. Eine Urkunde von 1334 nennt erstmals den St. Jörgerberg, den heutigen Georgenberg. In der Reformationszeit wirkten hier evangelische Prädikanten. Durch ihre exponierte Lage brannte die Kirche mehrmals durch Blitzschlag ab. Der bestehende frühbarocke Bau stammt von 1610/11. Als die Kirche 1788 abgebrochen werden sollte, kauften Micheldorfer Sensenschmiede den Bau um 120 Gulden. Einer von ihnen war Johann Georg Zeitlinger, der 1795 hier bestattet wurde. An ihn erinnert eine gemalte Grabtafel, die in der Mitte die Krönung Mariens und darunter die Familie des Verstorbenen zeigt, während auf den aufklappbaren Flügeln die Heiligen Georg und Elisabeth zu sehen sind.
Der hl. Georg setzte sich zur Zeit des Kaisers Diokletian für verfolgte Christen ein und wurde dafür grausamst zu Tode gefoltert. Seit dem 5./6. Jahrhundert erwähnen Reisende sein Grab in Diospolis, dem späteren Lydda (heute Lod bei Tel Aviv), es wird aber auch in Melitene (Eski Malatya bei Edessa, heute Griechenland) vermutet. Seit den Kreuzzügen galt er als Inbegriff des christlichen Ritters. Als Miles christianus (Soldat Christi) soll er dem Kreuzfahrerheer bei der Einnahme Jerusalems erschienen sein und es zum Sieg geführt haben. Dichtungen wie die Legenda Aurea (Goldene Legende) des Jacobus de Voragine überliefern die beliebte, oft dargestellte Geschichte von der Befreiung der Königstochter aus der Gewalt des Drachen.
Viele Orte tragen seinen Namen, außerdem gehört er zu den 14 Nothelfern. Bedeutende Kirchen wurden ihm geweiht, etwa der Bamberger Dom oder St. Georg auf der Bodensee-Insel Reichenau. Weltliche Ritterorden wie der 1326 gegründete, bis heute bestehende Sankt-Georg-Orden sind nach ihm benannt. In Oberösterreich wurde er oft gemeinsam mit dem hl. Florian dargestellt, unter anderem auf den Flügelaltären von Kefermarkt und
St. Wolfgang. Vielerorts finden um seinen Festtag, den 23. April, Georgiritte statt, so etwa am darauffolgenden Sonntag von Micheldorf auf den Georgenberg.
Georgiritt: 26. 4., Auftakt: 10 Uhr, Feldmesse im Naturpark: 10:30 Uhr, dann Festzug, Pferdesegnung, Kirtag
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