Viel war zuletzt von christlicher Kultur die Rede, an der man festhalten wolle. Auch in der Diskussion um das Kreuz in öffentlichen Einrichtungen geht es darum. Am Christkönigssonntag bekommen die Gottesdienstbesucher den Kommentar des Evangeliums zu diesem Thema zu hören: Woran merkt man, ob ein Land christlich ist? Die Antwort ist unmissverständlich: Ob die Hungernden zu essen, die Durstigen zu trinken bekommen, ob man sich der Gefangenen annimmt . . . Es ist die Schilderung des Gerichtes, die im Matthäus-Evangelium einen ganz entscheidenden Platz einnimmt. Auf diese Kernfrage hin läuft alles hinaus. Das ist der Grundimpuls an jeden einzelnen Gläubigen und an die Gemeinden: da zu sein, wenn ein Mensch, dem etwas fehlt, einen braucht. Es geht also um mehr als nur um kulturelle Präsenz – dass man an Türmen und Kreuzen, in Brauchtum und Riten wahrnimmt: hier wohnen Christen. Es nützte nichts, wenn diese christliche Kultur nicht auch bei den „Armen“ ankäme, sich also in gelebtem Glauben äußert. Dann wird auch deutlich: Das Kreuz ist kein Kampfzeichen, kein Pflock, mit dem Kirchen ihre gesellschaftliche Position verankern. Es ist Heilszeichen: Auf uns könnt ihr zählen. Ein Versprechen: Wir sind da. Wer sollte Angst vor einem solchen Zeichen haben?̜