Am vergangenen Wochenende haben sich die führenden Wirtschaftsnationen der Welt (G20) in Washington auf mehr Regulierung und strengere Kontrollen für die internationalen Finanzmärkte geeinigt. Bis März 2009 sollen die wichtigsten neuen Regeln stehen. Das grundlegende Ziel der Reform ist, dass künftig kein Akteur, kein Produkt und keine Region mehr ohne gemeinsam vereinbarte Spielregeln und ohne Aufsicht handelt. Noch sind die konkreten Vorschläge nicht paktiert, aber eines hat diese Konferenz gezeigt: In der Krise ist die Welt dabei zusammenzurücken. Am Verhandlungstisch saßen nicht nur die Regierungschefs der acht „alten“ Industrienationen (G8), sondern auch die Vertreter der aufstrebenden „Schwellenländer“ wie China, Indonesien, Brasilien, Indien oder Südafrika. Wenn der Globalisierung der Wirtschaft spät, aber doch, auch die Globalisierung der Politik folgt und dabei die Entwicklungsländer nicht vergessen werden, dann ist die Krise eine Chance.
Bis jetzt waren die Industrieländer in der sogenannten „Doha-Runde“ nicht bereit, den armen Ländern des Südens jene Spielregeln einzuräumen, die diese brauchen, um ihre eigene Wirtschaft zu entwickeln. Im Gegenteil, man zwingt den Entwicklungsländern Freihandelsabkommen und bilaterale Vereinbarungen auf, die diese in einen Konkurrenzkampf zwingen, den sie nie bestehen können. Man ruiniert mit Gensaatgut und Agrarsubventionen deren gewachsene Landwirtschaft und verschärft damit den Hunger. Eine neue Globalisierung müsste auch das sehen – und nicht nur die Finanzmärkte.