Was Juden, Christen und Muslimen rund um Sterben und Tod eines Menschen wichtig ist, war Thema eines Erfahrungsaustauschs auf Einladung des Krankenhauses der Elisabethinen in Linz.
Beinahe wortwörtlich gleichlautend stellten die Jüdin Tirza Lemberger und die Muslima Zeynep Elibol ihre Grundpositionen dar: „Ein Sterbender soll nicht alleingelassen werden, auch ein Toter nicht. Und das Begräbnis soll noch am Tag des Todes stattfinden.“ Beides ist in einem europäischen Land mit peniblen gesetzlichen Regelungen rund um den Tod so gut wie undurchführbar. Darum betont Tirza Lemberger vom Institut für Judaistik an der Universität Wien: „Soweit wie möglich. Für den Zeitpunkt des Begräbnisses heißt das: Man soll nicht unnötig Zeit verstreichen lassen.“
Glaubensbekenntnis als letztes Wort. Auch Elibol, sie ist Direktorin der Islamischen Fachschule Wien, bleibt nichts anderes übrig als zu relativieren. Sie betont daher besonders die Begleitung eines Sterbenden: „Die Gemeinschaft im Krankenzimmer versucht alles, dass das Sterben ein friedlicher Hinübergang wird. Das ist im Islam ganz wichtig.“ Immer wieder flüstert man einem Sterbenden auch das Glaubensbekenntnis ins Ohr. Es sollen die ersten und auch letzten Worte sein, die ein Mensch hört, erklärt Elibol.
Einsamer Leichnam. Wenn muslimische Familien ihre Trauer laut zum Ausdruck bringen und in einem Spital dadurch Aufsehen erregen, ist das durch die jeweilige Kultur bedingt, aus der die Menschen stammen, so Elibol. Der Islam selbst verlangt rund um einen Sterbenden stets ein Flüstern. Hart ist für einen Muslim anzusehen, wenn ein Toter von einem anderen Geschlecht als dem eigenen berührt wird: Bei einer Frau sollte eine Ärztin die Totenbeschau durchführen, bei einem Mann ein Arzt. Schmerzlich empfindet sie auch, die Toten allein im Krankenhaus zurücklassen zu müssen: „Der Leichnam ist einsam. Man geht mit einem unguten Gefühl weg.“
Tradition trägt. Auch religiös wenig praktizierenden Familien sind die muslimischen Sterberituale selbstverständlich. Wenn man von einem Toten spricht, fügt man nach seinem Namen hinzu: „Gottes Segen sei mit ihm.“ Oder man liest für den Toten ein Stück des Koran. Die Koranlektüre hilft den Toten beim Gericht ebenso wie Spenden, die Verwandte im Namen des Toten geben.
Die Christen: Gott ist treu. Angelpunkt eines christlichen Verständnisses vom Tod ist die Treue Gottes. „Der, der uns geschaffen hat, lässt uns im Tod nicht allein“, stellt der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger ins Zentrum seiner Überlegungen: „Der Garant des ewigen Lebens ist der treue und persönliche Gott.“ Demut und Dankbarkeit sollten die Grundhaltungen dem Tod gegenüber sein.
Angehörige haben Platz. Zu der Unterstützung, die ein Krankenhaus den Angehörigen von Sterbenden bieten kann, sagt Franz Harnoncourt vom Krankenhaus der Elisabethinen in Linz: „Wir versuchen, alles möglich zu machen, dass die Angehörigen bei dem Sterbenden bleiben können.“ – Konkret: Von der Verpflegung bis zur Übernachtung. „Wenn Angehörige damit überfordert sind, einem Sterbenden beizustehen, kann ich ihnen sagen, dass wir sterbende Menschen nicht allein lassen“, so Harnoncourt. Die Schwestern, Seelsorger/innen oder das Pflegepersonal, nicht selten auch außerhalb der Dienstzeit, stehen Sterbenden bei, so Harnoncourt: „Bei uns sterben selten Menschen allein.“ Selbstverständlich drängt das Ordensspital niemandem das Gebet oder ein christliches Ritual auf. „Das Innehalten ist ein Grundritual, in Ruhe Abschied zu nehmen zu können, ist ganz wichtig“, sagt Harnoncourt. Das Spital lädt auch alle Angehörigen einmal im Monat zu einem Gottesdienst für die in den letzten Wochen Verstorbenen ein, der auf große Zustimmung stößt.