Ausgabe: 2008/48, Claretiner-Pater, Gabriel Mejía, Kolumbien, Romero-Preis, 2008, KMBÖ, Straßenkinder, Städte, Sei So Frei, Heindl, Drogentherapeuten, Wolfgang Heindl
26.11.2008
- Susanne Huber
Das Bild von Straßenkindern gehört in Kolumbien bereits zum Panorama der Städte. Ohne Schuhe und armselig gekleidet schlafen sie unter Brücken oder Vordächern von Häusern. Der Romero-Preisträger Pater Gabriel Mejía kümmert sich um diese Kinder.
Seine Arbeit ist gefährlich. Drei Attentate sind bereits auf den Claretiner-Pater Gabriel Mejía verübt worden. „Eines Tages ist ein Junge vor mir gestanden und hat drei Schüsse auf mich abgegeben“, erzählt er, „aber es war Pech für ihn, die Kugeln haben mich verfehlt“, sagt der charismatische Pater ruhig und gelassen. „Bedroht werden wir u. a. deshalb, weil wir Kinder von der Straße holen, die in Prostitutionszentren tätig waren, die aufgrund von Kinderarbeit ausgenutzt wurden oder die im Drogenmilieu beschäftigt gewesen sind“, erklärt Mejía. Doch der Kolumbianer hat keine Angst. Er ist davon überzeugt, dass er göttlichen Schutz erfährt. „Wenn du mit Kindern arbeitest, wirst du beschützt. Jeden Tag, wenn ich außer Haus gehe, habe ich das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit.“
Ausbildung. Vor 25 Jahren hat Pater Mejía in Medellín begonnen, mit Straßenkindern zu arbeiten. Heute wohnen in den 49 kolumbianischen Zentren der Stiftung Claret-Heime, die von den Claretiner-Missionaren gegründet wurde, mehr als 3000 Kinder und Jugendliche. 600 Ehrenamtliche sind in den Heimen beschäftigt. „Es war uns von Beginn an wichtig, den Straßenkindern eine Erziehung zu geben, sie in Schulen zu bringen, ihnen Ausbildungsprogramme anzubieten, sie von den Drogen wegzubringen und sie nach ihrer Volljährigkeit wieder in die Gesellschaft zu integrieren“, betont der Claretiner-Pater.
Neubeginn. Ein neues Leben beginnen ohne Drogen und Gewalt auf der Straße – dazu hat sich der junge Mann entschlossen, der auf Pater Mejía geschossen hatte. „Vier Tage nach dem Attentat kam er in mein Büro, hat sich entschuldigt und gefragt, ob er in unserem Rehabilitationszentrum einen Platz bekommen könnte“, erinnert sich Mejía. „Er war in der Drogenszene tätig und selbst drogensüchtig. Das war vor fünf Jahren. Heute arbeitet Manuel in einem unserer Zentren. Er hat eine radikale Veränderung erfahren.“
Krank nach Liebe. Zeit und vor allem Geduld sind notwendig für die Arbeit mit den jungen Menschen von der Straße. Das weiß der Pater aus seiner langjährigen Erfahrung mit den Straßenkindern. „Viele von ihnen haben großes Leid erfahren, sind misshandelt worden oder mussten vor bewaffneten Konflikten fliehen. Sie haben keine Familie, kein Zuhause, haben keine Zärtlichkeit erfahren, nur die Ablehnung der Menschen. Sie sind krank nach Liebe. Daher wollen wir für diese Kinder eine Familie sein.“
Zur Sache
Ein Dach über dem Kopf
Die Adventsammlung von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung, wird heuer zum 50. Mal durchgeführt. Aus Anlass zu diesem Jubiläum möchte die Aktion dem diesjährigen Romero-Preisträger und Projektpartner Pater Gabriel Mejía ein Geschenk machen: „Im Rahmen unserer 50. Adventsammlung unter dem Motto ,Ein Dach über dem Kopf‘ wollen wir die Straßenkinder in den Heimen des Claretiner-Paters Mejía in Kolumbien unterstützen und dazu beitragen, sein 50. Heim aufzubauen“, berichtet Wolfgang Heindl, Projektreferent der Aktion SEI SO FREI. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es zehn Millionen Straßenkinder weltweit. 50 Prozent davon leben in Lateinamerika. In Kolumbien finden viele junge Menschen, die auf der Straße lebten, Drogenprobleme haben oder als Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten beteiligt waren, in den Zentren von Pater Mejía eine Unterkunft. Sie bekommen eine warme Mahlzeit, können sich waschen, werden gesundheitlich versorgt und erhalten eine Ausbildung. Waffen und Drogen sind in den Heimen verboten. Drogentherapeuten und Psychologen bieten süchtigen Jugendlichen Hilfe beim Entzug und bei der Verarbeitung dramatischer Erlebnisse. So haben sie die Chance, einen neuen Lebensweg einzuschlagen. Pro Jahr sind es etwa 400 Kinder, die einen Neubeginn schaffen.