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„Das ist ja die Fledermaus“

St. Florianer Sängerknaben gaben Konzert im Kibbuz Dorot in der Nähe des Gazstreifens
Ausgabe: 2008/49, Fledermaus, Sängerknaben, St. Florian, Kibbuz, Gazstreifen, Solidarität
03.12.2008
- Josef Wallner
Die Freude über die Lieder der St. Florianer Sängerknaben steht Ada Porat (links) ins Gesicht geschrieben. Die Tochter einer jüdischen Wiener Kaufmannsfamilie musste vor den Nazis aus Wien fliehen. Die Liebe zur Musik ist ihr geblieben. Wilhelm Neuwirth (rechts), Altpropst von St. Florian, war Tischnachbar von Ada Porat bei der Begegnung mit „Altösterreichern“ am 23. November 2008 in Tel Aviv.

Als musikalische Botschafter des Landes Oberösterreich waren die St. Florianer Sängerknaben – zeitgleich mit der ORF-Friedenslichtreise – auf Tournee in Israel. Ihre Auftritte wurden begeistert beklatscht, weil sie in vielen jüdischen Zuhörern auch deren schöne Erinnerungen an Europa wachriefen.

„Die Donau so blau, durch Wald und durch Au, wogst ruhig dahin...“ Ada Porat singt leise mit den Sängerknaben mit. Strophe für Strophe. Als ob erst gestern der Liedtext in der Schule abgeprüft worden wäre. Doch ihr Abschlusszeugnis hat sie schon vor rund 75 Jahren bekommen. Ada Porat musste 1938 aus Wien vor den Nationalsozialisten fliehen. Ihre Heimat ist seither Israel, wo sie mit ihrem Mann, der aus Linz stammte, zu den Gründungsmitgliedern eines Kibbutz zählt. Nicht ein einziges Mal hörte er seine Eltern miteinander auch nur ein Wort in deutscher Sprache wechseln, betont ein Sohn von Ada Porat. Seine Eltern hätten mit ihrem alten Vaterland Österreich abgeschlossen. Die Muttersprache hat sie gemieden, aber die Lieder ihrer Kindheit konnte die heute 88-jährige Porat nicht vergessen. In der Schule in Hernals hat sie sie gelernt. „Ich liebe diese Musik“ sagt sie, um sich unverzüglich wieder ganz auf die St. Florianer Sängerknaben zu konzentrieren. Seit Landeshauptmann Josef Pühringer die Altoberösterreicher – und Ada Porat gehört als Frau eines Linzers dazu – im Rahmen der ORF Friedenslichtreise jährlich zu einer Begegnung in ein Tel Aviver Hotel einlädt, hat Ada Porat wieder eine schmale Brücke zur Heimat. Beim diesjährigen Treffen mit der Delegation des Landes Oberösterreich, die von Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl angeführt wurde, gaben die Florianer Sängerknaben ein kleines Konzert. Kaum sind die ersten Töne eines weiteren Liedes erklungen, murmelt Ada Porat: „Des is ja die Fledermaus“ und summt mit, bis sie bei der Passage einstimmt: „Es gibt ein Wiedersehen“. Ob sie dabei an ihre Eltern denkt, die Opfer der Nazis wurden?

Solidarität. Haifa, Tel Aviv, Jerusalem und Dorot: Jeder der vier Konzertsäle, in denen die Sängerknaben auftraten, war voll. Besondere Aufmerksamkeit in der israelischen Öffentlichkeit erregte aber das Konzert im Kibbutz Dorot. Die Siedlung wurde 1940 von österreichischen und deutschen Emigranten gegründet und liegt in der Negev Wüste unweit des Gaza-Streifens – knapp, aber doch außerhalb der Reichweite der Raketen, die vom Gazastreifen aus auf israelischen Siedlungen abgeschossen werden. Mehr als 500 Menschen aus den betroffenen Dörfern kamen zu dem Konzert. Der Bezirksvorsitzende der Region erzählte in einem Radiointerview begeistert von der besonderen Atmosphäre bei dem Auftritt und dankte für dieses Zeichen der Solidarität mit den leidgeprüften Menschen, die unter dem Raketenbeschuss leiden.
Dass die Sängerknaben kein Konzert im Gazastreifen geben konnten, dort wo ebenfalls leidgeprüfte Menschen – Palästinenser – leben, ist ein anderes Thema.
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