Ausgabe: 2008/49, Menschenrechte, Menschenrechtsbildung, Michael Schaller, 60 Jahre Menschenrechte, Lateinamerika, Afrika, Asien, Menschenrechtsituation, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Film, Filmprojekt
03.12.2008
- Interview: Susanne Huber
Michael Schaller, Unternehmensberater und Organisator von drei Filmprojekten zum Thema Menschenrechte, ist durch seinen langjährigen entwicklungspolitischen Einsatz in Lateinamerika, Afrika und Asien ein Kenner der Menschenrechtssituation in vielen Teilen der Welt. Er nahm dazu Stellung.
Wir feiern 60 Jahre Menschenrechte. Was hat sich in den vergangenen Jahren getan? M. Schaller: Fortschritte sehe ich dahingehend, dass mehr Menschen wissen, dass es diese Rechte überhaupt gibt. Dass sie so etwas wie ein Grundkonsens der Staatengemeinschaft sind, auf den sich die Leute berufen können, wenn es zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Und dass es durchaus eine internationale Bereitschaft gibt, bei groben Menschenrechtsverletzungen einzuschreiten und Druck auf Staaten und Machthaber auszuüben. Doch die Rechte der Menschen werden leider immer wieder verletzt. Da gibt es noch viel zu tun.
Was sind die dringlichsten Forderungen? M. Schaller: Meinungsfreiheit, Religions-freiheit oder Folterverbot, das fällt einem sofort ein, wenn man von Menschenrechten hört. Weniger bekannt ist, dass es z. B. Zwangsarbeit nach wie vor gibt, nicht nur in den Ländern des Südens, sondern auch in Europa. Ich denke, dass ein noch breiteres Wissen um die Menschenrechte notwendig ist und sie entsprechend geschützt werden müssen.
Wo liegen die Schwachstellen in Österreich? M. Schaller: Wenn man die Zahlen der in Armut lebenden und der armutsgefährdeten Menschen in Österreich betrachtet, dann ist das sicherlich eine Schwachstelle bei uns wenn es um Menschenrechte geht. Oder das Thema Asylrecht und die Frage, wie weit Menschen, die nach Österreich kommen, die gleichen Chancen auf die Gestaltung ihres Lebens haben. Ein Bereich sind z. B. Sprachkurse für Migrantinnen und Migranten. Ich weiß, dass in den vergangenen Jahren Versuche von NGOs, Kurse bei uns anzubieten, deshalb gescheitert sind, weil es keine entsprechende Finanzierung gibt. Ein anderes Denken herrscht da im kanadischen Edmonton. Dort will man, dass Flüchtlinge möglichst schnell ihren Platz in der Gesellschaft finden. Bei uns herrscht diesen Menschen gegenüber eine eher ablehnende Haltung.
Wie können die Menschenrechte gefördert werden? M. Schaller: Menschenrechtsbildung ist eine Grundvoraussetzung, mit der man nicht früh genug beginnen kann. Sie sollte schon in Kindergärten, in Volksschulen vermittelt werden. Bewusstseinsbildung außerhalb der Schule ist möglich durch Kampagnen, durch Vorträge, durch Stellungnahmen von politisch Verantwortlichen oder NGOs. Oder auch durch Filmprojekte. Ich habe zum Thema Menschenrechte drei Filme gemacht, die auch in Schulen eingesetzt werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Leute um die Menschenrechte besser Bescheid wissen. (Siehe Kopf der Woche)
- Informationen zum Filmprojekt unter: www.menschenrechtsstadt.at
Im Blick
60 Jahre allgemeine Menschenrechte
Am 10. Dezember vor 60 Jahren sind die allgemeinen Menschenrechte von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris verabschiedet worden. Trotz internationaler Vereinbarungen werden die Rechte der Menschen aber immer wieder verletzt. So zeugen Flüchtlingsströme aufgrund von gewalttätigen Auseinandersetzungen im Kongo oder Irak von Vertreibungen, wird Religionsfreiheit in China mit Füßen getreten oder kommt es in Deutschland und Österreich nicht selten zu diskriminierenden und rassistischen Handlungen gegenüber Ausländer/innen.
- Die 30 Artikel zur allgemeinen Erklärung der Menschenrechte finden Sie unter: www.amnesty.at