Ausgabe: 2008/49, Initialzündung, Projekte, 5 Jahre Sozialwort, Stellenwert, Michael Staikos, Arme, Herwig Sturm, Alois Riedlsperger
03.12.2008
Das gemeinsame Sozialwort hat die Kirchen in ihrer sozialen Praxis enger zusammengeführt und den Dialog mit der Gesellschaft intensiviert.
Fünf Jahre nach Veröffentlichung des Ökumenischen Sozialwortes zogen vergangenen Donnerstag Vertreter/innen der christlichen Kirchen Österreichs Bilanz. Der Vorsitzende des Ökumenischen Kirchenrates (ÖRK), Altbischof Herwig Sturm, betonte, dass nicht nur die Erstellung des Sozialwortes zu einem Zusammenrücken der Kirchen geführt habe, sondern dass auch die soziale Praxis der vergangenen Jahre von mehr Gemeinsamkeit geprägt sei. Das bestätigte auch Sozialwortkoordinator P. Alois Riedlsperger. Er verwies auf die gemeinsame Arbeit der Kirchen zum Österreich-Konvent, auf die Erklärungen der ÖRK zur Ausländerpolitik und zum politischen Stil in Österreich, an den Beitritt aller Kirchen zur Allianz für den freien Sonntag, an die ökumenische Aktion Autofasten oder an die Vernetzungen im Bereich der sozialen und entwicklungspolitischen Arbeit. Zudem habe das Sozialwort in den einzelnen Kirchen zu einer Reihe von sozialen und umweltbezogenen Projekten sowie zu Maßnahmen eines nachhaltigen Wirtschaftens und einer gerechten Geldveranlagung geführt.
Glaubwürdig. „Das Sozialwort war kein Hirtenbrief von oben, sondern wurde von der Basis her erarbeitet. Deshalb nehmen es bis heute so viele Menschen auch als Anstoß und Orientierung für ihre eigene Arbeit.“ Das betonte der orthodoxe Metropolit Michael Staikos. Für Bischof Sturm ist diese vom Sozialwort inspirierte praktische Arbeit der Kirchen auch ein Beitrag für „unsere Glaubwürdigkeit, wenn wir mit Forderungen an die Gesellschaft herantreten“. Als drängende Herausforderung nannte Sturm eine sachkundige und menschengerechte Ausländerpolitik. Außerdem müssten die Kirchen darauf achten, dass in der gegenwärtigen Finanzkrise der Staat nicht nur den „Profiteuren des ungeregelten Marktes“ unter die Arme greife, sondern mehr auf die von Arbeitslosigkeit und Armut bedrohten Menschen sowie auf die armen Länder der Welt schaue. Franz Fischler forderte mehr Aufmerksamkeit für eine umfassende Nachhaltigkeit in Politik und Gesellschaft.