Ausgabe: 2008/49, Sonntag, Rose Ausländer, Maria Ulrich-Neubauer, hören und handeln, Wort zum Sonntag, 2. Adventsonntag, Galiläa, Jerusalem, Botschaft des Täufers, Prediger, Markus, Jesaja, Petrus, unendlich,
03.12.2008
Von weit her kamen sie und nahmen beschwerliche Wege auf sich; die Menschen Galiläas und Jerusalems zogen zu Johannes hinaus in die Wüste, „bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen“. Die Botschaft des Täufers trug Früchte, Menschen kehrten um auf den Weg Gottes. Doch trotz seines „Erfolges“ blieb er Bote und Vorläufer: „Nach mir kommt einer . . .“
Evangelium
Mk 1, 1–8
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
1. Lesung
Jes 40, 1–5. 9–11
Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden. Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. [. . .] Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.
2. Lesung
2 Petr 3, 8–14
Das eine aber, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden (nicht mehr) gefunden. Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! An jenem Tag wird sich der Himmel in Feuer auflösen, und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.>>
UnendlichVergiss Deine Grenzen Wandre aus Das Niemandsland Unendlich Nimmt Dich auf
Rose Ausländer
Wort zum Sonntag
Hören und handeln
Ein faszinierender Prediger wird uns da zu Beginn des Markusevangeliums vorgestellt: Johannes der Täufer. Seine Anziehungskraft soll so stark sein – wird berichtet – dass sich das ganze Land Judäa und alle Einwohner Jerusalems auf den Weg machen, um ihn zu hören. Nein, nicht einfach ein kurzer Spaziergang auf den Marktplatz, sondern eine wohl mühselige Reise ins wüstenartige untere Jordantal. Was bietet Johannes den Menschen? Keine leichte Kost. Zunächst ist er als Asket ein Vorbild der anderen Art: Weder schöne Gewänder, noch gutes Essen noch materielle Besitztümer scheinen ihn zu interessieren. Und dann ist auch seine Botschaft keine angenehme und wohltuende. Er mutet den Menschen zu, dass sie ihren eigenen Abgründen ins Auge sehen und sich zu ihnen bekennen. Erst dann kann das Frohmachende geschehen: die Taufe im Jordan, die einen Neustart ermöglicht. Was einen hat in den Malus rutschen lassen, ist getilgt.Die Menschen, die zu Johannes gekommen sind, haben nicht nur seine Botschaft angehört, sondern haben sich von ihm zum Handeln bewegen lassen. Seine Umkehrpredigt hat Früchte getragen. Nun aber besteht die Größe von Johannes nicht nur in seinen Erfolgen, sondern auch darin, dass er als Prediger nicht überheblich geworden ist und den Versuchungen der Macht und der sicher möglichen Bereicherung erlegen ist. Er ist bescheiden geblieben und hat die Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass einer nach ihm kommt, der ihnen mehr anbieten kann. Heute reicht ein Johannes der Täufer nicht mehr aus, um alle Menschen zu erreichen. Es braucht wohl unterschiedliche spirituelle Meister/innen, die uns auf dem Weg der Nachfolge Jesu Anstöße geben und uns beim Spurwechsel aus eingefahrenen Bahnen helfen können. Dass wir sie finden – in natura oder in Büchern – wünsche ich uns für den Advent.
Zum Weiterdenken
Wer kann für mich ein spiritueller Meister, eine spirituelle Meisterin sein? Welche Botschaften veranlassen mich dazu, der Liebe in meinem Leben mehr Raum zu geben?
Maria Ulrich-Neubauer, Pastoralassistentin in Feldkirch-Tisis, Religionslehrerin und Gemeindeberaterin. Verheiratet, ein Sohn.