Zwei Tage vor dem von der UNO proklamierten Tag der Menschenrechte feiert die katholische Kirche am 8. Dezember ein Fest der Menschenwürde.
Schlechte Zeiten stehen bevor. Rezession droht. Niemand weiß, was kommt. Die Prognosen für die Zukunft sind düster geworden.Ganz anders die frohe Botschaft des Glaubens, wie sie am Fest der „ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ zum Ausdruck kommt. Das ist die Kernbotschaft: Wir leben in der Zeit der Gnade. In Maria ist deutlich geworden, wie nahe Gott den Menschen ist. Die Zeit der Unglückspropheten ist vorbei. Nicht eine düstere Zeit, eine heilige Zeit steht bevor – denn was immer geschieht: Gott nimmt seine Zusage nicht zurück.
Die „Mutter von der immerwährenden Hilfe“. Das ist das Thema des Gnadenbildes in der Wallfahrtsbasilika von Maria Puchheim (siehe Bild). In Maria erfährt der Glaubende „immerwährende Hilfe“, weil an ihr die Liebe Gottes so deutlich geworden ist. Die Freuden und Leiden der Menschen haben sich als die Freuden und Leiden Gottes gezeigt.
Sagt an, wer ist doch diese?
Wie es Seelsorger/innen mit der Verkündigung des 8. Dezember geht
Ohne Erbsünde empfangen – Jungfrau – Gottesmutter. Das ist die dreifache Botschaft des Marienfestes am 8. Dezember. Die KirchenZeitung fragte Seelsorger, wie es ihnen bei der Verkündigung dieser Botschaft geht.
Zahlreiche Marienkirchen zeugen in Oberösterreich von der besonderen Verehrung der Gottesmutter. Dass auch die Linzer Bischofskirche der Gottesmutter geweiht ist, unterstreicht dies. Doch die theologische Botschaft dieses Tages ist nicht einfach zu vermitteln. Das Fest bezieht sich auf die Empfängnis Marias durch ihre Mutter Anna. Papst Pius XI. hat 1954 die die Lehre dogmatisch festgeschrieben, „dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes ... von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde“. Wie geht es Seelsorgern bei der Vermittlung dieser Botschaft? Hier drei Antworten.
Orientiert an der Bibel
„Das Positive an diesem Fest ist nicht leicht herauszuschälen. Es gibt eben die Verwechslung mit Maria Verkündigung, als ob es um die Ankündigung der Geburt Jesu ginge. Der 8. Dezember ist ein Fest der Gottesliebe, ein Fest der Gnade. Am Anfang des Lebens Marias steht die Liebe Gottes. Und was hier von Maria behauptet ist, das dürfen wir auch von uns selbst behaupten. Auch unsere Pfarrkirche in Vöcklamarkt ist eine Marienkirche. Mir ist wichtig, dass wir uns in der Verkündigung sehr auf dem Boden der biblischen Maria bewegen. Marienverehrung hat ihren Grund in der Bibel. Wenn Worte Marias, wie sie aus Erscheinungen überliefert sind, wichtiger werden als die Worte der Bibel, dann stimmt etwas nicht. Marienverehrung wäre dann sogar in Gefahr, zur Spaltung in einer Gemeinde zu führen.“
Johann Greinegger
Du bist voll der Gnade
Von Kindheit an bin ich in eine positive Beziehung zu Maria hineingewachsen. Persönlich habe ich zum Fest am 8. Dezember eine besondere Beziehung: Es ist der Tag meiner ewigen Profess im Stift Lambach. In meinem Studium wurde mir deutlich: Wenn wir von Maria reden, geht es eigentlich um die Frage: Wer ist Jesus Christus für mich? Diese Frage nach Jesus führte letztlich auch zur Frage: Wer ist diese Frau, durch die Jesus auf die Welt kam? Bei meinem Schulpraktikum an einer HBLA habe ich bei Maturantinnen erlebt, wie viele Missverständnisse es da gibt. Mit „unbefleckt Empfangene“ wird verbunden, dass Sex Sünde sei. Junge Frauen stellen da viele Fragen. Ich habe versucht darzustellen, dass Gott Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins vor der Sünde bewahrt hat. Es geht um Wesentliches unseres Lebens, nämlich die Grundbotschaft, die im Evangelium dieses Tages steht: „Du bist voll der Gnade.“ So spricht der Engel zu Maria.
P. Lukas Six
Das schwierige Fest
Maria Empfängnis ist für mich ein schwieriges Fest. Es ist vielschichtig im Thema, überschattet von der Diskussion zur Ladenöffnungszeit und hat noch dazu ein „falsches“ Evangelium, nämlich das von der Verkündigung der Empfängnis JESU. Das größte Problem ist der Begriff Erbsünde bei diesem Fest. Er kann heute nicht mehr im ursprünglichen Sinn verstanden werden, deshalb vermeide ich ihn. Ich habe versucht, für mich die Botschaft zu formulieren: Gottes Liebe macht es möglich, aus der Verstrickung in Schuld, Leid, Versagen und von Defiziten, in die jeder Mensch hineingeboren wird, gelöst und erlöst zu werden.Ich gehe von den biblischen Lesungen aus, meditiere Begriffe, die für mich diese Botschaft ausdrücken: Gnade/Begnad(ig)ung, Erwählung, Vertrauen/Zutrauen, Verantwortung, Verheißung. Ich nehme nur einen Gedanken. Dadurch ist es auch immer recht gut gelungen, etwas zu sagen, mit dem die Zuhörenden etwas anfangen konnten.