31. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr C, 30. Oktober 2016
Ausgabe: 2016/43
25.10.2016
Wort zum Sonntag
Herr, du Freund des Lebens
Das Buch der Weisheit erzählt vom barmherzigen Wirken Gottes, sowohl in der Geschichte Gottes mit dem ganzen Volk, als auch mit jedem Einzelnen. Als Verfasser wird Salomo angegeben, aber hier handelt es sich eher um einen literarischen Kunstgriff. Vielmehr scheint es ein hellenistischer Jude zu sein, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert zu den Menschen spricht, um sie wieder zu Gott zu führen, der alle Menschen liebt.
Der Blickwinkel, aus dem hier über die Gegenwart Gottes und seinen Blick auf die Welt gesprochen wird, könnte derjenige des Berges sein. Hie und da stehen wir selber auf einem Berg und sehen die ganze Welt vor bzw. unter uns liegen, klein und weit entfernt … so wie „ein Stäubchen“ oder wie „ein Tautropfen am Morgen“. Diese Perspektive hat für uns sowohl mit Abstand und Distanz zu tun als auch mit Überblick. Wir begeben uns heraus aus dem Strudel des Alltags und nehmen einen Weg auf uns, der uns hinausweist über alles Menschliche und Weltliche.
Gleichzeitig kann mir der Blick von oben sagen: „Siehe, es ist alles gut …!“ und genau diesen Aspekt spricht der Weisheitslehrer ebenfalls an, indem er betont, dass Gott ein Freund des Lebens ist. Als Freund des Lebens und der Menschen liebt Gott seine Schöpfung, schenkt ihr seinen alles durchströmenden Geist und verwandelt sie.
Zum WeiterdenkenEinladung zur Meditation:
Gott, du bist ein Liebender und ein Verwandelnder. Du liebst uns nicht im Vorübergehen, sondern in deiner ganzen Vollkommenheit. Dir sei Dank!
Die Perspektive von oben verschafft uns Abstand und Überblick zugleich. Fast wie beim Schöpfungsakt können wir ausrufen: „Siehe, es ist alles gut!“ Damit kommen wir der Haltung des Schöpfers näher, der alles (!) Geschaffene als sein Eigentum betrachtet.
Evangelium
Lukas 19, 1–10
Dann kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
1. Lesung
Weisheit 11, 22 – 12, 2
Gott, die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt. Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht erschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Gott, du Freund des Lebens. Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist. Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.
2. Lesung
2 Thessalonicher 1, 11 – 2, 2
Darum beten wir auch immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und jedes Werk des Glaubens vollende. So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus. Brüder, wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unsere Vereinigung mit ihm und bitten euch: Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da.