Sobald Kinder sprechen können, versuchen sie ihre Umwelt durch Fragen zu entdecken und zu verstehen. Hinter ihrer Lust zu fragen steckt oft mehr als reine Neugier.
„Was ist Glück?“ „Wo bin ich, wenn ich tot bin?“ „Woher wissen wir, dass wir nicht alles nur träumen?“ Schon Kindergartenkinder können Fragen stellen, die für Erwachsene nicht so einfach zu beantworten sind. Aus diesen Fragen lässt sich erkennen, womit sich das Kind gerade auseinandersetzt, was es beschäftigt. Die Fragen sind ein Zeichen dafür, dass es seine Umgebung nicht einfach hinnimmt, sondern die Dinge hinterfragt.
Aus Fragen werden Gespräche
Es ist nicht unüblich, dass schon im Kindergarten philosophische Gespräche stattfinden. Oft kommen die Impulse ganz spontan aus dem Alltag, zum Beispiel beim Schaukeln und in den Himmel schauen kann die Frage auftauchen: „Woher kommen die Wolken?“ Wenn Kinder Geschwister bekommen, fragen sie vielleicht: „Wo war ICH vorher?“
Leben und Tod, Glück und Freundschaft
Alles, was lebt, muss irgendwann sterben. Auch Kinder erleben den Tod, etwa von nahen Angehörigen, und stellen Fragen. Philosophische Gespräche können für sie die Trauerarbeit erleichtern. Gefühle wie Glück, Freude, Wut oder Angst eignen sich ebenso dafür, schon mit jüngeren Kindern zu philosophieren. Selbstständig denken lernen. Hat es denn einen Sinn, mit Kindern zu philosophieren? Unbedingt, meint Daniela Camhy, die 1985 in Graz das erste und österreichweit einzige Institut für Kinder- und Jugendphilosophie gründete.
Mündige Bürger
Philosophie verlangt keine vorgefertigten Antworten, sie knüpft an Interessen, Fragen, Wünsche und der Neugier von Kindern an. Beschäftigen sich Kinder aus eigenem Antrieb mit philosophischen Fragen, etwa ob Tiere denken können oder wie die Zeit vergeht, lernen sie dabei, selbstständig und kreativ zu denken, wach zuzuhören und Alternativen zu entwickeln. Sie schärfen ihre eigene Wahrnehmung und konstruieren Gedankenexperimente, lernen logisch denken und reflektieren.
Philosophieren als Schulfach
Expert/innen sind sich einig: Aus Kindern, die gelernt haben, selbstbewusst nachzufragen und sich ein Urteil zu bilden, werden mündige, kritische und tolerante Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung übernehmen können und die Dialog vor Gewalt stellen.
Buchtipps
Siehst du die Welt auch so wie ich? Philosophieren mit Kindern, Katharina Bralo-Zeitler, Herder-Verlag. 19,99 Euro. Wer bin ich? Was ist ein Freund? Wohin geht die Zeit? Kinder stellen viele Fragen an die Welt – und auf manche von Ihnen gibt es keine eindeutige Antwort. Wie Erwachsene und Kinder philosophischen Fragen nachgehen und dabei viel über sich selbst, über verschiedene Sichtweisen und Werte erfahren können, zeigt dieses Buch. Mit Beispiel-Einheiten zu zentralen Kinderfragen und praktischen Arbeitsmaterialien.
Wie laut ist leise? Mit allen Sinnen die Welt entdecken, Mille Foli, Beltz & Gelberg. Bilder sind Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen und laden zum Philosophieren ein, 12,95 Euro. Kindern entdecken die Welt spielend und mit allen Sinnen und stellen Fragen wie: "Können Pfützen kitzeln?". Ein Fotobilderbuch, das überrascht, weil es ganz der Sicht der Kinder folgt und zum Philosophieren einlädt. Für alle, die wissen, dass es nichts Schöneres gibt, als gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen.