Früher war alles eindeutig: Da ging jedes Kind vor dem 31. Oktober zu Oma und Opa, vielleicht auch zu Tanten und Onkeln, und erbat dort eine kleine Gabe für das viel zu magere Sparschwein. Rund um den traditionellen Weltspartag kamen dann ganze Abordnungen aus den Banken und Sparkassen in die Schulen, ausgerüstet mit Geldsäcken, winzigen Schlüsselchen für die Sparbüchsen und ebenso kleinen Geschenken für die braven Sparenden. Es folgte eine kleine Zeremonie: Die Schilling- und Groschen-Münzen, unter die sich manch vorwitzige Banknote mit dem Abbild von Carl Ritter von Ghega oder gar Ferdinand Raimund mischte, wurden händisch und doppelt von flinken Händen abgezählt, die ersparten Summen mit Kugelschreibern in die Sparbücher eingetragen. Von Intimsphäre am Bankschalter keine Spur, die gesamte Klasse wusste, wie „arm“ oder „reich“ man war.
Heute fragen sich Jung und Alt: „Macht sparen überhaupt noch einen Sinn? Sollte man nicht lieber das, was man hat, investieren?“ Die aktuellen Mini-Zinssätze machen das Sparbuch zu einer eher unattraktiven Sparform. Genau genommen kann man sich von dem Geld, das man heute am Sparbuch parkt, in zwei Jahren weniger kaufen als jetzt, Expert/innen bezeichnen das als „negative Rendite“. Der Grundgedanke des Sparens, nämlich in der Gegenwart zu verzichten, um in der Zukunft mehr zu haben, scheint sein Fundament zu verlieren.
Trotzdem bleibt Sparen eine gängige Denkweise. Ein „Zurücklegen für schlechtere Zeiten“, „Sammeln für etwas wirklich Wichtiges“, „Ansparen für eine größere Investition“ entspricht einem Sicherheitsdenken, das den meisten Menschen innewohnt. „Von der Hand in den Mund leben“ wollen weder ältere, erfahrene Menschen, noch viele Junge, für die die Zukunft Erfolge, aber auch Risiken bringen kann. Für sie lautet die Frage nicht: „Soll ich sparen?“, sondern: „Wie soll ich sparen?“ Man hört, dass in diesem Zusammenhang auch Sparstrümpfe wieder ins Gespräch kommen.