Kinder zuenden die Kerzen auf einem Weihnachstbaum an
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Die Familie singt in Harmonie beim Christbaum „Stille Nacht“ – so wünschen sich die meisten Weihnachten. Wenn es in Wirklichkeit unter der Oberfläche brodelt, kann eine zu hohe Erwartung dazu führen, dass statt Weihnachtsfriede die Krise kommt.
Einsam sind zu Weihnachten nicht nur alleinstehende Menschen. Einsam können auch Menschen sein, die in Partnerschaft oder in einer Familie leben, aber dort niemanden haben, mit dem sie reden können. Und beim Gedanken daran, wie sie sich Weihnachten wünschen, fällt vielen ihre Einsamkeit noch mehr auf. Deshalb erlebt etwa die Telefonseelsorge im Advent eine besonders intensive Zeit. „Die Menschen suchen ein Gegenüber“, erzählt Susanne Bock, die seit zehn Jahrenehrenamtlich in der Telefonseelsorge arbeitet. „Viele suchen Hilfe, viele sagen, sie suchen jemanden zum Zuhören.“
Jemand fehlt. Es rufen Trauernde an, weil das Fehlen von Verstorbenen gerade in dieser Zeit deutlich wird. Rolf Sauer, Leiter der Abteilung Ehe und Familie in der Diözese Linz, rät ihnen, ihrer Trauer auch am Heiligen Abend Platz zu lassen. Er schlägt vor, zu überlegen, wie zum Beispiel der Vater oder die Mutter sich vorgestellt hätte, wie die Angehörigen leben.
Selbst gestalten. Auch getrennte Lebenspartner trauern – um den Traum der Harmonie. Sie sind enttäuscht und würden Geborgenheit und Sicherheit brauchen. In ihrem Wunsch nach Veränderung und auf der Suche nach dieser Geborgenheit möchten die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge die Menschen begleiten. „Das ist ein Stück mitzugehen auf einem Weg. Wir versuchen, den Menschen dabei zu unterstützen, seinen eigenen Weg zu finden“, beschreibt Susanne Bock ihre Aufgabe. „Die Menschen sind die Gestalter/innen ihres eigenen Lebens, auch diese Verantwortung wollen wir bewusstmachen.“
Bilanz. Für Rolf Sauer ist Weihnachten auch eine Zeit des Bilanzierens: „Zu überlegen: Wie geht’s mir? Wie geht’s mir mit den Menschen, mit denen ich zusammenlebe?“ In der Ehe- und Familienberatung kommen die Anfragen erst nach den Feiertagen, wenn Menschen merken, dass ihnen zu Weihnachten etwas gefehlt hat in ihrem Umfeld. Dann sollen sie in der Beratung den Mut erhalten, „die kleinen Signale zu hören und das, was in ihnen liegt“.
- Die Telefonseelsorge ist eine Einrichtung der katholischen und der evangelischen Kirche Österreichs. Sie ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 142 erreichbar.
Weihnachten in getrennten Familien
Der Verein „Rainbows“ begleitet Kinder nach Trennungen oder Todesfällen. Sylvia Spiessberger, Landesleiterin von Rainbows Oberösterreich, weiß, wie Weihnachten und speziell der Heilige Abend mit Kindern in getrennten Partnerschaften gelingen kann:
- Spiessberger rät davon ab, gemeinsam zu feiern. Das würde nur die Hoffnung der Kinder stärken, dass alles wie früher werden könnte, und sie würden die Zeit dazu nutzen, zwischen den Eltern zu vermitteln.
- Wo und wie gefeiert wird, müssen dieEltern entscheiden. Die Kinder sollen mitbestimmen dürfen, aber sie sollen sich nicht entscheiden müssen, mit wem sie zum Beispiel den Heiligen Abend feiern. Das wäreeine Belastung für das Kind, weil es sich damit gegen einen Elternteil aussprechen muss.
- Es muss nicht jedes Jahr gleich gefeiert werden. Mama und Papa können sich abwechseln und das Fest nach ihren Vorstellungen ausrichten.
- Die Kinder sollen auch Geschenke annehmen dürfen, die der Elternteil schenkt, der nicht im gemeinsamen Haushalt wohnt. Wenn der Umgang mit diesem Elternteil zu Weihnachten eingeschränkt oder gar verweigert wird, trifft das die Kinder besonders hart. Die Eltern sollten nicht mit Geschenken in Konkurrenz treten.
- Zuwendung schenken: Weihnachten ruft oft Erinnerungen an die „alte“ Familie hervor. Kinder durchleben die „alten“ Bräuche, sie erinnern sich daran, wie Vater, Mutter und Geschwister miteinander gefeiert haben. Es ist wichtig, diese Erinnerungen anzusprechen und die Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein zu lassen. Sie sollen von beiden Elternteilen spüren: „Ich bin für dich da.“