Ausgabe: 2009/02, Sonntag, Moment, Erkenntnis, Taufe des Herrn, Johannes, Jordan, Lesung, Evangelium, Lässer, Gertraud Lässer, Kraftplatz, Wort zum Sonntag, Johannes der Täufer
07.01.2009
So viele gingen Tag für Tag an den Jordan, wo Johannes die Menschen zur Umkehr aufrief und sie taufte zur Vergebung der Sünden. Fest verbunden aber mit dem Hinweis: „Nach mir kommt einer . . .er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.“ Dort, inmitten vieler Menschen, begegneten einander Johannes der Täufer und Jesus aus Nazareth.
Evangelium
Mk 1, 7–11
Er (Johannes der Täufer) verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus von Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
1. Lesung
Jes 55, 1–11
Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen. Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies. Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. Völker, die du nicht kennst, wirst du rufen; Völker, die dich nicht kennen, eilen zu dir, um des Herrn, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat. Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
2. Lesung
1 Joh 5, 1–9
Gott ist meine Rettung
ihm will ich vertrauen und niemals verzagen. Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr, Er ist für mich zum Retter geworden. Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils. Dankt dem Herrn, ruft seinen Namen an! Macht seine Taten unter den Völkern bekannt, verkündet: Sein Name ist groß und erhaben!
Antwortpsalm
Wort zum Sonntag
Der Himmel geht über allen auf
Die Feiertage sind vorüber. Die biblischen Erzählungen über Verkündigung, Herbergsuche, Geburt, Hirtenstaunen und Engeljubel, über den Besuch sternenkundiger Weiser und über die Flucht nach Ägypten sind verklungen; der Weihnachtszauber fließt langsam ins Alltags-geschehen des Jahres 2009. Als Brücke zwischen Weihnachtszeit und Alltag haben die Sternsinger einen Segenswunsch an die Wohnungstüren geschrieben. Er enthält eine Anfrage: Entdecke ich in dem Kind in der Krippe die Erfüllung uralter Sehnsucht, den Erlöser und Heiland, den gottverbundenen Christus? Entdecke ich im Angesichts des Alltags Konturen des Göttlichen? Ich nehme das Evangelium zur Hand. Es lädt mich ein, innezuhalten und mich am Jordan niederzulassen. Da begegnet mir in Johannes der engagierte Wegbereiter für Jesus. Er weiß, dass sich die Menschen nach Rettung aus Unrecht und Unterdrückung, aus falsch verstandenen religiösen Normen, aus Krankheiten und Not sehnen. Durch seine klare Sprache und durch das Erkennen seines inneren Auftrags lässt er aufhorchen. Er kündigt Gott selber an als einen, der sich den Menschen zuwendet und sie gegen allen Ungeist mit Heiligem Geist taufen wird. Und in dieser verheißungsvollen Stimmung taucht Jesus auf als einer unter den vielen, die bei Johannes Orientierung suchen. Er wendet sich Johannes zu; er taucht in den Alltag ein und lässt sich von ihm taufen. Der Himmel reißt auf; die innerste Beziehung zwischen Gott-Jesus-Geist leuchtet auf, wird für Menschen hörbar, spürbar. Und im Meditieren dieses Geschehens komme ich zum Staunen: Auch mir gilt die Zusage: „Du bist geliebt und gerufen! Geh ab und zu in Distanz zu deinem Alltag und entdecke den aufgebrochenen Himmel, der über dir und allen Menschen strahlt, duftet und klingt!“
Zum WeiterdenkenZu welchen Kraftplätzen gehe ich in meinem Alltag? Wer sagt mir zu, dass ich kostbar, einmalig und liebenswert bin? Wer wird mir im Jahr 2009 den Himmel öffnen?
Gertraud Lässer, Religionslehrerin, geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Feldkirch.