Er: katholisch. Sie: evangelisch. Verheiratet sind sie allerdings nicht, denn Ferdinand Klausriegler ist geschieden. Ihm und seiner jetzigen Lebenspartnerin Margarete Korntner ist der Glaube trotzdem wichtig. Ohne diesen gemeinsamen Glauben hätten sie ihre schwierigen Lebenssituationen nicht durchtragen können, erzählen sie.
„Ich habe es ja selber nicht verstanden“, hat Ferdinand Klausriegler Verständnis für alle, die seinen Schritt damals nicht verstehen konnten – als er 1997 seine Frau verließ, um zu einer anderen Frau zu ziehen. Geheiratet hat er die „Grete“ allerdings nicht. Für einen Katholiken ist eine Wiederverheiratung ohne Eheannullierung nicht möglich. Margarete Kortner – seine neue Lebenspartnerin – ist evangelisch. In Pfarrkirchen bei Bad Hall sind die beiden zu Hause. Auch bei Pfarrangehörigen löste der Schritt damals Fragen aus. Von der Jungschar an war Ferdinand Klausriegler in der Pfarre aktiv gewesen, in der Jugend, in der Männerbewegung und als langjähriger Pfarrgemeinderat. Den Kindergarten haben sie damals gebaut. Klausriegler war mit im Vereinsvorstand. – „Zu viel vielleicht“, grübelt er heute über das Scheitern der Ehe damals mit seiner Frau Elfriede. Da waren auch die vielen Abende, an denen er aufgrund seines Hobbys, der Musikkapelle, nicht daheim war. Und er hat nicht gemerkt, wie sie neben ihm krank geworden ist – und wie sie sich immer mehr entfremdeten. – Aber 30 Jahre, das steckt man nicht einfach weg. Der „Paradekatholik“ mit einer evangelischen Frau? Die katholische Pfarre Pfarrkirchen und ebenso die evangelische Pfarre in Bad Hall sind zu Ferdinand und Margarete gestanden. Vor allem die jeweiligen Seelsorger haben geholfen, dass sie sich in den Pfarren angenommen wussten. Klausriegler ist bei der nächsten Pfarrgemeinderatswahl erneut gewählt worden. Und auch Korntner ist in der evangelischen Pfarre in Bad Hall aktiv. Frau Korntner hatte es nicht leicht. Sie war 20, als ihr Vater das Bauernhaus samt Grund und Boden verlor. Ein Wanderleben begann für die Familie, ohne irgendwo richtig heimisch zu werden. Später musste Frau Korntner auch noch mit dem frühen Tod ihres Mannes fertig werden.
Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit der Kirchen. Kortners Kinder leben selbst wieder in gemischt-konfessionellen Familien. Die Bilder von zehn Enkelkindern hängen über dem Esstisch. Für die evangelischen unter ihnen ist es mit großem Aufwand verbunden, etwa zum Religionsunterricht oder zu einer Gruppenstunde zu kommen. Dass es unter den Konfessionen mehr Gemeinsamkeit gäbe, das ist der größte Wunsch an die beiden Kirchen. Für gemischt-konfessionelle Paare wäre die eucharistische Gastfreundschaft, die ein Kommunizieren bei der jeweiligen anderen Konfession erlaubt, ein besonderer Wunsch. Das Miteinander in zwei unterschiedlichen Konfessionen erleben Klausriegler und Korntner trotzdem bereichernd: „Wir bekommen einen größeren Horizont.“ Doch gerade, weil ihnen ihr Glaube auch wichtig ist, versuchen sie, beiden Konfessionen verbunden zu bleiben: An den Sonntagen besuchen sie gemeinsam abwechselnd den Gottesdienst, einmal den katholischen, dann in den evangelischen. „Und da sind wir sehr genau“, erzählen sie.
Kein Tag ohne Beten. Doch auch in der persönlichen Spiritualität tragen die beiden ihre Anliegen vor Gott hin. „Es hat noch keinen Abend gegeben, an dem wir nicht auch gemeinsam gebetet hätten, und wenn es noch so spät war.“ Ob es recht ist, wie ich gehandelt habe? Immer wieder kommt Herr Klausriegler auf die Frage zurück. Er hofft mit seiner Partnerin auf einen verzeihenden Gott. Und die beiden versuchen, dem gerecht zu werden, was Gott jetzt von ihnen erwartet.
Weltgebetswoche um die Einheit der Christen
Vom 18. bis 25. Jänner wird weltweit die „Weltgebetswoche um die Einheit der Christen“ begangen. „Damit sie eins werden in deiner Hand“ – ein Satz des Propheten Ezechiel – steht als Leitmotiv über der Woche. In den Pfarren wird in dieser Woche um Einheit der Christen gebetet.
Zum Tag des Judentums. – Als Auftakt zur Weltgebetswoche begehen die Kirchen bereits am 17. Jänner den „Tag des Judentums“ als jener Religion, der sie ihren Ursprung verdanken. Am Donnerstag, 15. Jänner hält aus diesem Anlass der Grazer Liturgiewissenschafter Univ.Prof. Dr. Basilius J. Groen einen Vortrag zum Thema „Antijudaismen in der christlichen Liturgie“ (Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz, 19.30 Uhr).
Ökumenischer Gottesdienst der christlichen Kirchen in Oberösterreich. Die neun in Oberösterreich vertretenen christlichen Kirchen feiern am Donnerstag, den 22. Jänner 2009, um 18.30 Uhr im Linzer Mariendom einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst. Die Predigt wird Bischof Gabriel von der koptisch-orthodoxen Kirche halten.
Mit Brüchen leben
Eigentlich ist sie ein Ärgernis – die Tatsache, dass die christlichen Kirchen getrennt sind. Die „Weltgebetswoche um die Einheit der christlichen Kirchen“ steht in diesem Anliegen: dass die Kirchen in aller ihrer positiven Vielfalt eins werden.
Doch wie die Kirchen selbst mit Brüchen leben müssen, so stehen auch einzelne Christinnen und Christen vor der schmerzlichen Tatsache, dass sie ihre Ziele und einmal vergebene Versprechen nicht halten konnten.
Anlässlich der Weltgebetswoche lesen Sie hier von einem Beispiel zweier Menschen, die auch in der Erfahrung eines Lebensbruches Halt und Hoffnung in einer starken Gottesbeziehung suchen – und die in ihrer „ökumenischen“ Gemeinschaft dies mit besonderem Ernst tun. Die christlichen Kirchen sollen und wollen auch ihnen die Gottesbotschaft verkünden und offen halten. m. F.