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Schwarzafrikaner geraten nicht selten ins Vorurteils-Visier der Gesellschaft und ihrer Institutionen wie der Polizei
Ausgabe: 2009/23, Schwarzafrikaner, Vorurteil, Udeani, Caritaswissenschfat, KTU
03.06.2009
- Ernst Gansinger
Menschenrechte, Diskriminierung, Rassismus, Chibueze C. Udeani, Katholisch-Theologische Privatuniversit?t Linz, Direktor des Instituts f?r Caritaswissenschaft
Menschenrechte, Diskriminierung, Rassismus, Chibueze C. Udeani, Katholisch-Theologische Privatuniversit?t Linz, Direktor des Instituts f?r Caritaswissenschaft
© honorarpflichtig, Ernst Gansinger


„Warum“, so fragte Dr. Chibueze Udeani, Direktor des Instituts für Caritaswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, bei einer Podiumsdiskussion – „warum kommt es immer wieder zu Übergriffen der Polizei auf Migrant/innen afrikanischer Herkunft?“

Zur Diskussion lud in der Reihe „Markierungen“ der ORF Oberösterreich am 27. Mai ins Landesstudio Linz ein. Das Thema lautete „Polizei-Menschenrechte-Rassismus“. Es ging darum, Wege zu finden, um miteinander „Gespräche zur kulturellen Vielfalt“ zu führen. Udeani beschreibt das derzeitige überaus gespannte Verhältnis zwischen Polizei und Afrikaner/innen als Sackgasse.

Fair und sensibel. Hier brauche es Anstrengungen von beiden Seiten, um einen Ausweg zu finden. Udeani, der in Nigeria und Innsbruck Philosophie und Theologie studierte, verfügt selbst über zumindest zwei Zugänge zu diesem Anliegen. Einerseits lebt der Afrikaner seit vielen Jahren in Österreich, andererseits ist er als Trainer für interkulturelle Kompetenz u.a. innerhalb des Projekts „fair und sensibel“ tätig. „Fair und sensibel“ bezieht sich auf das angestrebte Verhältnis zwischen Polizei und Afrikaner/innen. Innerhalb dieses Projekts arbeiten Polizist/innen und Afrikaner/innen gemeinsam daran, gegenseitige Vorurteile abzubauen und einander unvoreingenommener zu begegnen. Dieses Wiener Projekt ist vor Ort gut eingeführt und soll nun auch auf andere Bundesländer und Migrant/innengruppen ausgeweitet werden.

Alltags-Erlebnis. Als Udeani vor zwei Jahren im Zug von Salzburg nach Wien fuhr kamen zwei Polizisten ins Zugabteil und forderten ihn auf, sich auszuweisen. Einer der Polizisten, fragte den schwarzen Zuggast in herablassender Weise mehrmals, wie lange sein „Verfahren“ noch laufe. Udeani bat um Aufklärung und erhielt zur Antwort, wie es um sein „Asylverfahren“ stände. Allerdings – wie der bislang unbeachtete Personalausweis der Republik Österreich in der Hand des Polizisten belegte – Udeani ist österreichischer Staatsbürger. Ähnliche demütigende Erfahrungen machen viele Menschen, die nach Österreich zugereist sind. So berichteten im Rahmen dieser Veranstaltung auch junge Bürger mit türkischer Herkunft davon, dass sie keine Chance haben, in bestimmte Discos in Linz (z. B. A1, Empire Linz und die ehemalige Nachtschicht) hineinzukommen. Der Türsteher verweigert ihnen den Zutritt. Und die Behörde handelt nicht entschieden genug, um solche Diskriminierungen abzustellen.

Zwei Ursachen. Udeani sieht zwei Gründe für rassistische Übergriffe der Polizei auf Afrikaner/innen. Er stellt fest, dass Afrikaner/innen zum Teil „nicht nur Opfer“, sondern auch Täter sind. Andererseits gibt es rassistisch eingestellte Österreicher/innen, die mit der wachsenden Zahl der Afrikaner/innen in Österreich lauter wurden. „Dann hat uns die Kronenzeitung entdeckt und mit ihren negativen Schlagzeilen erheblich zur Fremdenfeindlichkeit beigetragen. “

Bilder in den Köpfen. „Als ich vor 22 Jahren zum Studium nach Österreich kam, spürte ich eine riesige Sympathiewelle afrikanischen Menschen gegenüber.“ Mit dem Anwachsen der Zahl der AfrikanerInnen verschwamm auch deren Einheitlichkeit, doch viele Österreicher/innen begannen negative Bilder und Erfahrungen zu verallgemeinern. Die Afrikaner/innen wurden zu „einer billigen Beute“, denn ihre Heimatregierungen kümmerten sich nicht um sie und bei den Institutionen Österreichs fanden sie oft nicht den notwendigen Schutz.
Das offene und ehrliche Gespräch, in dem die Dinge auch beim Namen genannt werden, ist ein Ausweg aus der Sackgasse, sagt Udeani. In den sieben Jahren seiner Trainertätigkeit bei „fair und sensibel“ haben sich auch seine Bilder geändert. Es braucht Einsicht von beiden Seiten, um Mauern zu senken und falsche Bilder voneinander zu korrigieren.
Dann wird der einzelne Mensch gesehen und nicht nur pauschalisiert!

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