Als Kompetenzzentrum für Seelsorge bietet das Pastoralamt der Diözese Linz seit 70 Jahren Untertützung für Pfarren an. Msgr. Willi Vieböck, Direktor der Pastoralamtes, spricht mit der KirchenZeitung über heutige Aufgaben & künftige Ziele.
Das Gespräch führte Josef Wallner
Die Gründung des Pastoralamtes fällt in die Zeit des Nationalsozialismus. Wie war das unter diesen Umständen möglich?
Vieböck: Nachdem so gut wie alle kirchlichen Vereine aufgelöst wurden, suchte die Diözese nach einer Einrichtung, die wenigstens die innerkirchlichen Aktivitäten sichern half. Nach dem Motto „Gründen wir etwas Neues, was noch nicht verboten ist“, entstand dann das Seelsorgeamt. Die Mitarbeiter/innen haben in der Kriegszeit Unterlagen für die Feste des Kirchenjahres und die Feier der Sakramente erarbeitet. Nach dem Krieg kam dann die Phase der Entfaltung. Aus einem Büro mit drei Leuten ist eine Institution mit 300 Angestellten gewachsen. Zur Präzisierung: Mehr als zwei Drittel davon sind Teilzeitkräfte und nicht alle arbeiten im Diözesanhaus in der Linzer Kapuzinerstraße, sondern sind in Bildungshäusern, Beratungsstellen, auf der Burg Altpernstein oder in der Betriebsseelsorge tätig.
Worin sehen Sie heute die Aufgabe des Pastoralamtes?
Wir verstehen uns als Unterstützung für die Pfarrgemeinden mit Behelfen, Schulungen und Beratung. Eine Pfarre kann sich zum Beispiel beim Sekten- und Weltanschauungsreferat Auskunft über religiöse oder pseudoreligiöse Gruppierungen holen, die sie selbst nicht einordnen kann. Dafür gibt es eben im Haus einen Spezialisten. Oder eine Pfarre braucht Begleitung für ihren Weg in die Zukunft, wenn einmal kein Priester mehr vor Ort wohnen wird. Sie findet im Pastoralamt einen Ansprechpartner. Der zweite wesentliche Aufgabenbereich des Pastoralamtes liegt in der kategorialen Seelsorge. Diese liegt mir als notwendige Ergänzung zur Pfarrseelsorge sehr am Herzen. Seit ich 1992 als Direktor ins Haus gekommen bin, merke ich, dass die Herausforderungen immer differenzierter werden und stets neue Aufgaben dazukommen. Ich denke hier etwa an die Schubhaft-, Notfall- oder Fremdsprachigen-Seelsorge. Eine Besonderheit unseres Pastoralamtes besteht in der engen Verzahnung mit der Katholischen Aktion. Das heißt: Wir schaffen keine Doppelgleisigkeiten. So ist zum Beispiel die Jungschar mit der Kinderpastoral und Erstkommunionvorbereitung in der Diözese beauftragt, die Männerbewegung mit der Männerpastoral.
Das Pastoralamt wird immer wieder als „Tintenburg“ kritisiert. Was aber schwerer wiegt: Dem Pastoralamt wird vorgeworfen, dass es in wichtigen Fragen nicht auf der Linie des Lehramts der Kirche agiert?
In unserem Leitbild ist ganz klar festgehalten: Wir sind dem Volk Gottes, dem Bischof als Vertreter des Lehramts und den diözesanen Gremien verpflichtet. Die pastoralen Leitlinien der Diözese sind unsere Vorgabe, an die wir uns halten. Alles andere ist eine Unterstellung. Und in kirchenpolitischen Fragen beziehen wir als Pastoralamt bewusst nicht Position, damit alle unsere Dienste annehmen können.
Was macht Ihnen Freude an der Arbeit als Direktor des Pastoralamtes?
Das sind die engagierten und kreativen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die die Seelsorge mitgestalten. Bei meiner Arbeit leitet mich das Motto der Diözesansynode „Kirche um der Menschen willen“ – das ist eine lohnende und schöne Aufgabe.
Wenn Sie an die Zukunft der Seelsorge denken: Was geht Ihnen durch den Kopf?
Es werden die Verknüpfungen zwischen Pfarren, kategorialer Seelsorge, Klöstern stärker werden müssen – wie das auch die pastoralen Leitlinien vorsehen. Und wir werden vermehrt unterscheiden müssen zwischen den Leuten, die etwas von der Kirche wollen, und denen, die Kirche sein wollen. Die einen sollen ein gutes Service bekommen, die anderen verstärkt Begleitung und Unterstützung. Denn sie sind das Zukunftssegment der Kirche.
Mit blühenden Obstbäumen vergleicht Msgr. Willi Vieböck das Pastoralamt: „Auch von Obstbäumen kann man Früchte ernten.“