Arbeitslosigkeit kränkt die Seele. Das ist für den ärztlichen Leiter des Wagner-Jauregg-Krankenhauses, Prim. Univ.Doz. Dr. Werner Schöny, keine Frage. Arbeit macht Stress, doch keine Arbeit macht noch mehr Stress.
Primar Schöny referierte am 30. Juni bei der Tagung der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung. Die Tagung hatte den Titel „Arbeit ist das halbe Leben!“. Im Untertitel fragte sie „Was ist dann ein Leben ohne Arbeit?“
Nicht alle sind Bestleister. Ein Leben ohne Arbeit kränkt die Psyche, sagt Schöny. Denn Arbeit sorgt für Einkommen, nährt den Selbstwert und sichert das gesellschaftliche Eingebundensein. Burnout, depressive Stimmungen, vegetative Störungen, Angstzustände, vermehrtes Suchtverhalten (Alkohol, Medikamente, Drogen) sowie eine auf das Sechsfache ansteigende Suizidrate sind Folgen von Arbeitslosigkeit. Bei Jugendlichen tritt das noch einmal ausgeprägter auf. Die Gesellschaft habe daher die hohe Verantwortung, für Arbeit zu sorgen. Und dafür zu sorgen, dass die, die nicht Bestleistungen bringen können, nicht aus dem Arbeitsleben hinausfallen.
Steigender psychischer Druck. Die Problematik psychischer Belastungen beginnt schon vor der Arbeitslosigkeit. Wenn das Gespenst Arbeitslosigkeit umgeht, entsteht ein erhöhter Druck in der Firma, ein ungesunder Wettbewerb ist die Folge. Schöny weist darauf hin, dass in solchen Situationen auch die Nicht-Gefährdeten psychischer Belastung ausgesetzt sind, mitunter Schuldgefühle entwickeln. Auch die Personalchefs, denen die Entscheidungen zu Kündigungen obliegen, stehen unter erhöhtem psychischem Druck.
Die Kontakte nicht abreißen lassen. Hart trifft Arbeitslosigkeit auch Über-Fünfzigjährige mit mittlerem Einkommen. Wenn sie noch Schulden am Haus haben, die Kinder noch in Ausbildung stehen und plötzlich der Lebensstandard nicht mehr zu halten ist. Kommen dazu noch Schuldzuweisungen aus der Familie – „Warum du?“ – spitzt sich die Lage zu. Die Gefahr ist groß, in ein depressives Loch zu fallen, Kontakte zu meiden, zu meinen, alles ist sinnlos. Schöny rät: Man sollte bewusst Kontakte pflegen, immer wieder Bewerbungen schreiben, die Tagesstruktur aufrechterhalten. Die Umgebung sollte dies stützen.