Gottesdienst zum Beginn des 2. Tages beim Geh?rlosentreffen mit etwa 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus mehreren Nationen in Schenkenfelden, Stockhalle
Am Internationalen Gehörlosentreffen von 14. bis 17. Juli nahmen in Schenkenfelden etwa 170 Menschen teil. Das Treffen war eingebettet in die Feier „Zehn Jahre Lebenswelt Schenkenfelden“ am 16. Juli.
„Die besonderen Nöte von gehörlosen Menschen mit Zusatzbehinderungen wurden mir schon sehr früh bei meiner Arbeit in der Gehörlosenambulanz der Barmherzigen Brüder bewusst“, schreibt Primar Dr. Johannes Fellinger, der „Vater der Lebenswelt Schenkenfelden in der „GerstlPost“. Die von der Lebenswelt herausgegebene Zeitschrift heißt deswegen GerstlPost, weil die Lebenswelt im Gerstlhaus untergebracht ist. Fellingers Einsatz, der Bereitschaft der Gemeinde Schenkenfelden und der Aufgeschlossenheit der Barmherzigen Brüder (Trägerschaft) ist es zu danken, dass in dieser Mühlviertler Gemeinde vor zehn Jahren die „Lebenswelt Schenkenfelden“ entstand.
Lebenswelt-Theorie. Die Lebenswelt ist eine therapeutische Gemeinschaft für Gehörlose und Taubblinde mit zusätzlichen Beeinträchtigungen. Sie hat zum Ziel, dass sich die Menschen persönlich entwickeln und soziale Fähigkeiten erlernen. Dafür gibt es die Wohnwelt und die Arbeitswelt. In der Wohnwelt können 23 Bewohner/innen selbstständig und unterstützt wohnen. Die Arbeitswelt bietet 34 gehörlosen Menschen die Teilnahme an einem Arbeitsprozess in therapeutischen Werkstätten: Kochen, textiles Arbeiten, Keramik gestalten, Flechten, Holz- und Kerzenarbeit. Die Sprache in der Lebenswelt ist die Gebärdensprache.
Lebenswelt-Praxis. Wie die Idee das Tun prägt – dazu konnte man beim Gehörlosentreffen Eindrücke sammeln. Aus vielen Bundesländern Österreichs und aus Deutschland waren Gäste gekommen. Die Atmosphäre in der Festhalle vermittelte „Lebensfreude und Gemeinschaft“, wie das Motto der Veranstaltung lautete. Man sang gebärdend zusammen, arbeitete in Workshops, lernte neue Menschen kennen, pflegte Kontakte. Den Tageseinstieg bildete eine Andacht, bei der Prof. Fellinger eine biblische Geschichte gebärdete, sie pantomimisch darstellte und zeichnete. Höhepunkt des Treffens war das Fest „10 Jahre Lebenswelt Schenkenfelden“, zu dem auch Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Frater Ulrich Fischer, Provinzial der Barmherzigen Brüder, gekommen sind. Im Rahmen des Festes wurde das Theater „Sound of Signs“ mit dem Klang von Gebärden angelehnt an „Sound of Music“ aufgeführt. Bischof Maximilian feierte mit der Festgemeinde Gottesdienst.