Ein genauer Blick in die heimischen Mülltonnen brachte ein wenig vorteilshaftes Bild zutage: Viele Lebensmittel, die wir kaufen, wurden zum Wegwerfen produziert.
Das Angebot ist verlockend: Für zwei Körbe Pfirsiche müsste ich nur ein paar Cent mehr bezahlen als für den einen. Die Kassierin macht mich darauf aufmerksam. Ich habe aber schnell das Bild von verschimmeltem Obst vor mir und bleibe bei meiner Entscheidung. Die Nachbarin, die nach mir kommt, sagt, dass bei ihrem Zwei-Personen-Haushalt schon ein Korb zu viel wäre.
Restmüll-Analyse. So einfach ist das nicht immer. Warum soll ich nicht für das gleiche Geld die doppelte Menge nehmen? Eine Antwort gibt die „Restmüll-Analyse“, die Umweltlandesrat Rudi Anschober und Agrarlandesrat Josef Stockinger vorgestellt haben: Studierende der Universität für Bodenkultur in Wien haben Hausmüll in Oberösterreich untersucht: 13 Prozent des Abfalls sind Lebensmittel und Speisereste. Hochgerechnet ergibt der Wert 116 Euro pro Einwohner pro Jahr. Das erschreckt zweimal: Erstens drückt es auf das Gewissen, und zweitens gehören Lebensmittel in die Biotonne. Dafür müssten aber die zum Teil original verpackten Produkte ausgepackt werden. Ein Drittel der Lebensmittel sind original verpackt oder original (zum Beispiel ein ganzer Laib Brot). Fast die Hälfte sind Lebensmittel in angebrochenen Verpackungen (neun Semmeln in einer Zehner-Packung) oder angebrochene Lebensmittel (Rahm im Becher). Die Studierenden haben vakuumverpacktes Bio-fleisch genauso gefunden wie Billig-Produkte.
Gefälle. Oberösterreich liegt im österreichischen Durchschnitt. Es besteht ein Gefälle zwischen Stadt und Land – in der Stadt ist der Anteil höher. Ob Menschen am Land mehr Bezug zur Nahrung haben, oder ob sie Reste an Haustiere verfüttern oder kompostieren, kann Studienleiterin Felicitas Schneider nicht sagen. Mehr Lebensmittel findet man im Müll von Vollzeitbeschäftigten. In Mehrfamilienhäusern ist die Menge bedeutend größer, egal ob mit oder ohne Biotonne. Das wenigste Essen werfen Leute über 50 weg.
Bis zum Kunden. Durch 33 Hände gehen Lebensmittel durchschnittlich, bis sie im Supermarktregal landen. Viele kommen gar nicht soweit. Gründe sind: Überproduktion, Lagerüberschuss, falsche Etikettierung oder Retourware. Die Umwandlung von Lebensmittel in Kompost oder Energie (Biogasanlagen) kann für Schneider nur die zweitbeste Lösung sein. Dafür ist der Aufwand von der Ernte bis zum fertigen Produkt einfach zu hoch.
Zur Sache
Zum „Kauf mit Köpfchen“wollen die Landesräte die Oberösterreicher/innen bewegen. Das könnte so ausschauen:
- Einkaufszettel. Erst schauen, was sich im Kühlschrank oder Vorratsschrank befindet und aufschreiben, was fehlt. Ein Einkaufsblock passt in jedeKüchenlade, was ausgeht, kann schnell notiert werden.
- Die richtige Größe. Darauf achten, dass die Verpackungsgröße für die Bedürfnisse des Haushalts stimmt.
- Überlegen. Vorsicht bei Spontankäufen: Manchmal ist es billiger, auf toll präsentierteLebensmittel zu verzichten.
- Ablaufdatum. „Mindestens haltbar bis“ heißt, dass dasProdukt bis zu diesem Zeitpunktunbedingt genießbar ist. Danach muss man kosten oder riechen.
- Einen Einkaufsblock gibt es zu bestellen: Homepage www.genussland.at oder www.umweltprofis.at