Zu seinem 70. Geburtstag und 30-jährigen Bischofsjubiläum, das zugleich das 30-jährige Bestehen seiner Diözese Barreiras bedeutet, zieht Bischof Richard Weberberger Bilanz: Für ihn ist das vor allem Anlass, Dank zu sagen.
Einen lebendigen Beitrag für die Weltkirche wollten die Benediktiner von Kremsmünster als Vorbereitung auf ihr 1200-Jahr-Jubiläum des Stiftes 1977 leisten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist der Aufbau der Diözese Barreiras im brasilianischen Bundesstaat Bahia. 1970 kamen die ersten Patres nach Brasilien, mit ihnen auch die Benediktinerinnen von Steinerkirchen. Ehe Bischof Richard Weberberger mit der neu gegründeten Diözese Barreiras beauftragt wurde, war er davor sechs Jahre Pfarrer in der gleichnamigen Stadt.
Dankbar. „Ein großer Freundeskreis ist seither in den drei Jahrzehnten aus den Förderern gewachsen, aus Einzelpersonen, Pfarren, dem Stift Kremsmünster und anderen Benediktinerklöstern, dem Land Oberösterreich, der MIVA und vielen mehr“, sagt Bischof Weberberger dankbar. Was dadurch erreicht werden konnte, ist beeindruckend: 15 große Kirchen wurden errichtet, mehr als 50 Kapellen und drei Kirchen sind soeben in Bau. Und dazu kommen noch die sozialen Einrichtungen: „Was wir im Stift Kremsmünster in 300 Jahren gebaut haben, mussten wir in Barreiras in 30 Jahren erledigen.“ Für den Kremsmünsterer Abt Ambros Ebhart ist die Hilfe für Barreiras ebenfalls keine Einbahnstraße. Er ist dankbar für den Austausch: „Barreiras ist für uns ein offenes Fenster in die Welt und ein großes Geschenk.“
Kirche ist gefordert. Die wirtschaftliche Situation führte zu sprunghaften Veränderungen der Diözese Barreiras, die flächenmäßig ein wenig kleiner als Österreich ist und heute 370.000 Einwohner zählt. Knapp nach der Diözesangründung kamen die Agrarkonzerne und haben innerhalb weniger Jahre die Region völlig verändert. „Entwicklungen gehen in Brasilien immer sprunghaft und hinterlassen enorme soziale Probleme“, erklärt der Bischof: „Da sind die Kirchen bis an die Grenzen gefordert.“ Ein Aspekt ist die Bevölkerungsexplosion: Vor 30 Jahren gab es in der Stadt Barreiras eine einzige Pfarre, heute sind es zwölf.
Rückhalt aus Österreich. „Wir konnten als Kirche nur deswegen einigermaßen mithalten, weil wir finanziellen und menschlichen Rückhalt in Österreich hatten und haben.“ Dafür kann er nicht genug danken, sagt der Bischof. Er denkt aber auch an die Zukunft, wenn er mit dem 75. Lebensjahr als Bischof abgelöst wird. „Das Budget für die ordentliche Seelsorge versuchen wir vor Ort aufzustellen, sodass mein Nachfolger, der sicher ein Brasilianer sein wird, nicht in ein finanzielles Loch fällt. Das geht schon recht gut.“ Für außerordentliche Projekte wie Bauten, Autos, Bildungszentrum, Ausbildung der Priesterseminaristen wird die Diözese immer Hilfe brauchen. Aber da vertraut der Bischof auf die weltweite Kirche: „Es gehört zu ihrem Wesen, dass reichere Diözesen ärmeren helfen.“
- Was die Kirche in Österreich von Brasilien lernen kann: siehe Interview mit P. Arno Jungreithmair OSB auf Seite 4.
Zur Sache
Stimme aus Rom
Bischof Richard Weberberger gab zu „30 Jahre Diözese Barreiras“ und seinem 30-jährigen Bischofsjubiläum eine Pressekonferenz im Linzer Bischofshof. Dabei kam auch die Rede auf den brasilianischen Erzbischof von San Salvador und späteren Kurienkardinal Lucas Moreia Neves. Dieser hat für Linz eine besondere Bedeutung, erklärte Bischof em. Maximilian Aichern im Rahmen der Pressekonferenz.Als Präfekt der römischen Bischofskongregation habe ihn damals Kardinal Neves auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, Laien in Einzelfällen die Tauferlaubnis zu erteilen, so Aichern: Beim Ad-Limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom (1999) sprachen sie über den Priestermangel und die Not, die daraus für die Seelsorge entsteht: „Der Kardinal hat mir Mut gemacht, wegen des Priestermangels in Einzelfällen Laien die Tauferlaubnis zu erteilen, weil das auch das Kirchenrecht so vorsieht. Das habe ich dann getan.“ Mittlerweile sind in Rom andere Stimmen zum Tragen gekommen. „Dass Bischof Ludwig Schwarz die Frage der Tauferlaubnis nun anders handhabt, muss man akzeptieren“, erklärte Aichern abschließend.