P. Arno Jungreithmair, Benediktiner aus Kremsmünster: Hilfe für Barreiras ist keine Einbahnstraße
Ausgabe: 2009/33, Brasilien, Lernen, P. Arno Jungreithmair, Weberberger, Pfarrer
12.08.2009
- Josef Wallner
Beinahe 20 Jahre ist es her, dass P. Arno Jungreithmair OSB in der brasilianischen Diözese seines Ordensbruders P. Richard Weberberger (siehe Seite 3) Pfarrer war. Doch diese Erfahrungen prägen bis heute sein Verständnis von Kirche und Pastoral.
„Die Freude am Glauben, die Freude, der Kirche anzugehören, ist in Brasilien bei den Leuten einfach lebendig.“ Das gehört zu den schönsten und intensivsten Erfahrungen, die P. Arno Jungreithmair als Priester in der Diözese Barreiras gemacht hat. Diese Begeisterung lässt sich nicht einfach auf Europa übertragen und schon gar nicht verordnen – „aber schön wäre es schon, wenn etwas von dieser Freude auch bei uns spürbar würde – zum Beispiel in der Liturgie“, meint P. Arno. Als Beispiel nennt er die in Brasilien üblichen Hochgebete, wo das Gebet des Priesters immer wieder von kurzen Gesängen des Volkes unterbrochen wird: „Dort spürt man, dass der Priester wirklich gemeinsam mit dem Volk Gottesdienst feiert.“
Theologie der Befreiung. In den Jahren in Brasilien ist ihm die Theologie der Befreiung bedeutsam geworden: Die Kirche braucht diese Theologie, weil sie eine weite Sicht von Gott und der Welt vermittelt. „Diese Perspektive gibt mir auch hier in Österreich Weite und Gelassenheit. Und bringt neue Aspekte in unsere eingefahrenen Bahnen.“ Untrennbar mit der Befreiungstheologie verbunden ist der Umgang mit der Heiligen Schrift. Die Bibel ist für das Volk geschrieben, daher kann sie auch das Volk am besten auslegen, so die Grundüberzeugung der Befreiungstheologie. P. Arno: „Viele Menschen in Brasilien haben einen tollen Zugang zur Bibel, weil sie überzeugt sind: Das Wort der Bibel ist ein Wort für unser Leben.“ Dass nur Pfarrer das Wort Gottes auslegen dürfen, hält P. Arno für eine „ver-rückte“ Idee. Er besteht auf der doppeldeutigen Schreibweise „ver-rückt“ mit Bindestrich: „Für die Auslegung der Bibel und für die Predigt muss das ganze Volk Gottes herangezogen werden.“
Kirchenrecht und neue Ämter. Was sich die Kirche in Österreich ganz konkret von der brasilianischen Kirche abschauen sollte, sind die neuen Dienstämter, betont P. Arno: So gibt es in der Diözese von Bischof Richard ganz selbstverständlich „Trauungsminister“ und „Taufminister“. Diese Funktionen werden von Laien ausgeübt. „Wir bräuchten das auch in unserer pastoralen Situation dringend. Das Kirchenrecht lässt diese neuen Dienstämter zu. Wir sollten das Kirchenrecht zum Wohle aller ausschöpfen.“