Die Pfarre St. Radegund und Pax Christi Oberösterreich gedenken des seligen Franz Jägerstätter
Ausgabe: 2009/33, Jägerstätter, Netzwerker, Franz Jägerstätter, St. Radegund, Fellinger, Erna Putz, Rudolf Zinnhobler
13.08.2009
- Josef Wallner
Franz J?gerst?tter, St. Radegund, Innviertel, Seligsprechung, Hinrichtung, Krieg, Bauer, Mesner, Regime, M?rtyrer, geboren 1907, Enthauptung am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel, Seligsprechung am 26. Oktober 2007 im Mariendom zu Linz, Weltk
Die Kirche hat Jägerstätter – wie die anderen NS-Opfer – die ersten Jahrzehnte verschwiegen. Erst Dr. Erna Putz und Prof. Rudolf Zinnhobler gaben den Anstoß für die nachhaltige Jägerstätter-Beschäftigung.
Mit einem Studientag, der Andacht zur Todesstunde Franz Jägerstätters um 16 Uhr und einer Eucharistiefeier, die bei seinem Grab endete, begingen insgesamt rund 200 Menschen den Todestag des seligen Franz Jägerstätter am 9. August in St. Radegund.
In einer Welt der Lüge. Franz Jägerstätter hat die Nachfolge Jesu in einer schwierigen Zeit gelebt, betonte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer beim Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Radegund: „Er hat die Wahrheit in einer Welt der Lüge gelebt und das Leben in einer Welt geliebt, in der der Totenkopf bestimmendes Symbol war.“ Das Beispiel Jägerstätters zeigt, dass christliches Leben unter allen Bedingungen möglich ist: Er ist nicht auf Distanz gegangen, sondern hat sich in seinem Leben und Beten bewusst mit allen Menschen verbunden. Heilige und Selige schaffen auch in schwierigen Situationen Gemeinschaft und sagen: Du bist gewollt, du bist gebraucht. Scheuer: „Franz Jägerstätter ist ein Netzwerker.“
Jägerstätter in der KIZ. Auf die unterschiedlichen Phasen der Beschäftigung der Öffentlichkeit mit Franz Jägerstätter machte Matthäus Fellinger, Chefredakteur der KirchenZeitung, in seinem Referat beim Studienteil des Jägerstätter-Gedenkens aufmerksam. Die ersten zwei Jahrzehnte nach dem Krieg waren vom Verschweigen geprägt, das der Linzer Bischof verordnet hatte. Damit ging es Jägerstätter nicht anders als den insgesamt 96 oberösterreichischen Seelsorgern, die während der NS-Zeit in Haft waren und zum Teil auch ums Leben kamen. – Um den Neuaufbau der Gesellschaft und des Staates nicht zu gefährden, wurden die Opfer des Terrorregimes ausgeblendet. Der erste ausführliche Artikel über Jägerstätter in der KirchenZeitung erschien 1963, verfasst vom Priester Franz Baldinger. Als Linzer Gefängnisseelsorger ist er Jägerstätter begegnet. „Es galt, ihn zurückzureißen wie vor einem Abgrund“, erklärte Baldinger seinen Versuch, Jägerstätter die Kriegsdienstverweigung auszureden. Der Priester resümierte: „Er machte einen sehr guten Eindruck, fromm und konsequent, er war keineswegs ein psychopathischer Mensch.“ Nach dem Erscheinen von Gordon Zahns Buch „Er folgte seinem Gewissen“ (1967) und Axel Cortis Film „Der Fall Jägerstätter“ (1971) verstummte – aus unerklärlichen Gründen – nochmals ein Jahrzehnt die Debatte über Jägerstätter. Die bahnbrechende Biografie von Erna Putz und die Forschungen des Linzer Kirchenhistorikers Univ.Prof. Rudolf Zinnhobler zu Kirche und Nationalsozialismus gaben den Anstoß für die bis heute anhaltende Beschäftigung mit Jägerstätter.
Wichtige Öffentlichkeit. So verletzend die fast zwei Jahrzehnte dauernde Debatte um Jägerstätter für jene war, die Jägerstätter verehrten, hat die Polarisierung doch beigetragen, ihn im Gespräch zu halten. Darauf wies Werner Rohrhofer, Chefredakteur des Neuen Volksblattes, in seinem Statement hin: Ohne Streit keine Öffentlichkeit und ohne Öffentlichkeit vermutlich keine so rasche Seligsprechung.
Das Referat \"Streitfigur und Leitgestalt – Franz Jägerstätter und die KirchenZeitung\" von Chefredakteur Matthäus Fellinger zum Herunterladen: Jaegerstaetter.pdf