Unternehmer wollten mit Feiertagsöffnung Touristenströme in Geschäfte locken
Ausgabe: 2009/34, feiertag, geschäft, bad ischl, öffnung
19.08.2009
- Paul Stütz
Aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des Landes konnten am 15. August, Maria Himmelfahrt, in Bad Ischl viele Innenstadt-Geschäfte ihre Pforten öffnen. Darunter sind auch einige, denen die Pfarre Bad Ischl Geschäftsflächen vermietet. Während Pfarrer Mag. Johann Hammerl Verständnis für die Feiertagsöffnung zeigt, befürchtet die Gewerkschaft einen Dammbruch.
Es ist einer der Höhepunkte der Tourismussaison im Salzkammergut: das Kaiserfest in Bad Ischl. Mitte August lockt es viele in- und ausländische Touristen in den Kurort. Um von diesem Besucheransturm zu profitieren, suchte die Stadt Bad Ischl heuer um eine Ausnahmegenehmigung für die Öffnung der Geschäfte am 15. August an, die das Land Oberösterreich erteilte. Im Gegensatz zu den größeren Einkaufsketten, die geschlossen hielten, nutzten vorwiegend kleinere Betriebe diese Gelegenheit und machten ihre Pforten für die Touristen auf. Sehr zum Unmut der Gewerkschafter, die als Protest die Zufahrt zur Ischler Innenstadt blockiert hatten. „Es darf nicht alles dem Kommerz unterworfen werden. Die Beschäftigten müssen geschützt werden“, kritisiert Harald Voglsam von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) die Feiertagsöffnung. Für die GPA ist die Diskussion um die Öffnung der Geschäfte am 15. August exemplarisch. Voglsam: „Wir befürchten einen Dammbruch. Dass das Land Oberösterreich eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat, war ziemlich sorglos.“
Pfarre vermietet Geschäftsflächen. Zumindest indirekt betroffen von dem Streit um die Feiertagsöffnung ist auch die Pfarre Bad Ischl. So vermietet die Pfarrgemeinde Geschäftsflächen an insgesamt neun Betriebe, vom Hutgeschäft über einen Blumenladen bis hin zum Ischler Weltladen. Dass etwa der Weltladen geschlossen hielt, sieht Pfarrer Mag. Johann Hammerl als vorbildlich. Für Betriebe, die am 15. August aufsperrten, hat er dennoch Verständnis. „Es gibt einfach verschiedene Interessen“, gibt sich Hammerl diplomatisch. „Bei einem normalen Sonntag wäre ich gegen eine Öffnung der Geschäfte.“ Anders beurteilt Hammerl aber den 15. August: „Viele Wirtschaftsbetriebe kämpfen um das Überleben und müssen den Touristenansturm in der relativ kurzen Saison eben nützen. Das Kaiserfest ist in Ischl etwas Besonderes“, sagt der Pfarrer.
„Es hat sich ausgezahlt.“ „Warum sollten wir diese Gelegenheit bitte nicht nutzen“ meint auch Ursula Bittner, eine der Unternehmerinnen, die ihre Geschäftsfläche von der Pfarre gemietet hat. Bei dem Traditionsunternehmen Bittner Hüte wird der bei Touristen beliebte Original Ischler Hut hergestellt. „Die Öffnung hat sich ausgezahlt“, zieht Ursula Bittner erfolgreiche Bilanz. Niemand der Beschäftigten sei jedoch zur Mitarbeit am Feiertag gezwungen worden, betont sie. „Mit der Feiertagsöffnung können wir aber auch dazu beitragen, Arbeitsplätze zu erhalten.“ Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise seien die zusätzlichen Einnahmen äußerst wichtig. Diesen großen wirtschaftlichen Stellenwert für Unternehmen bezweifelt hingegen Gewerkschafter Harald Voglsam: „Ein Tag darf nicht über Sein oder Nicht-Sein eines Unternehmens entscheiden. Denn wenn das so wäre, müsste ein Betrieb kurz vor der Insolvenz stehen.“