Dass das Modell Seelsorgeteam erfolgreich ist, zeigt die Praxis. Eine umfangreiche Studie erläutert nun, warum die Teams von Anfang an in den Pfarren auf positive Resonanz gestoßen sind. Doch auch die Grenzen der Beteiligung von Ehrenamtlichen an der Pfarrleitung kommen zur Sprache.
Seit 2002 sind Seelsorgeteams – offiziell von der Leitung der Diözese Linz gesendet – im Einsatz. Ehrenamtliche Frauen und Männer beteiligen sich an der Leitung ihrer Pfarre und tragen so gemeinsam mit dem Pfarrer dazu bei, dass Pfarrgemeinden lebendig bleiben können. Oder wie der Titel des Sammelbandes heißt: „Kirche bleiben im Nahbereich“. Die folgenden Hinweise auf einige der25 Artikel des Buches sollen einen Überblick geben, was Leser/innen erwartet: vom Erfahrungsbericht bis zur theologischen Reflexion spannt sich der Bogen der Beiträge, sodass die Fachleute, aber auch alle am Thema Interessierten auf ihre Rechnung kommen.
Dass das Kirchendach dicht bleibt. Wie alles begann, erzählen Josef Weichselbaumer, damals im Pastoralamt Linz tätig, und Regionaldiakon Carlo Neuhuber, die beiden Pioniere der Seelsorgeteams. Seelsorge darf auch ohne Priester am Ort nicht verludern, ist ihr Anliegen: „Eine Messe am Sonntag und schauen, dass es in die Kirche nicht hineinregnet, kann nicht die ganze Seelsorge sein“.Ein eigenes Kapitel wertet die umfangreiche Befragung aus, die unter den Seelsorgeteams durchgeführt wurde, wobei es hier um Chancen und auch um Grenzen des Modells geht. Für Diskussion sorgen oft die seelsorgerischen Kompetenzen und auch die zeitlichenRessourcen. Ausführlich wird die Ausbildung der Teams beschrieben – ausgefaltet an den vier Grunddiensten von Gemeinde: Verkündigung, Liturgie, Diakonie und Koinonia/Gemeinschaft. Aus weltkirchlicher Perspektive analysiert der Innsbrucker Pastoraltheologe Franz Weber die Linzer Modelle und stellt klar, dass in Afrika, Asien und Lateinamerika diese Formen der Beteiligung an Gemeindeleitung gang und gäbe sind. „Die Christen in Oberösterreich können sich von ihren Brüdern und Schwestern sagen lassen: Macht weiter so“, bilanziert Weber. Generalvikar Severin Lederhilger schreibt aus der Sicht eines Diözesanverantwortlichen: „Lösungen in der Not sind nicht bloß Notlösungen“. Was Monika Udeani im Namen der Herausgeberinnen im Vorwort formuliert, dem wird das Buch ganz und gar gerecht: „Wir freuen uns, wenn dieser Einblick zum eigenen Weiterdenken und Ausprobieren anregt und es uns gelingt, damit ein Hoffnungszeichen auszusenden.“
Für KirchenZeitungsleser/innen vorab und zum Vorzugspreis
Monika Udeani, Helmut Eder, Monika Heilmann (Hg.), Kirche bleiben im Nahbereich. Pfarrgemeindliche Leitungsmodelle mit Beteiligung Ehrenamtlicher, Linz: Wagner Verlag 2009, 316 Seiten, ISBN 978-3-902330-38-3 - Das Buch erscheint in der zweiten September-Hälfte. Wer es innnerhalb der nächsten zwei Wochen bestellt, erhält es nach der Präsentation zum Vorzugspreis von 20 Euro (inkl. Porto). Regulärer Verkaufspreis: 24 Euro. - Bestellungen: Wagner Verlag, Tel/Fax: 0732/77 12 05-86 18, E-Mail: office@wagnerverlag.at; www.wagnerverlag.at
Zur Sache
Ansteckende Energie
Von den 487 Pfarrgemeinden der Diözese Linz sind in 32 Orten ehrenamtliche Männer und Frauen an der Leitung der Pfarrgemeinden beteiligt. In 29 Pfarren sind Seelsorgeteams eingesetzt, in drei Pfarren haben Pfarrgemeinderäte „erweiterte Leitungskompetenzen”. Geht es nach den Planungen, wie sie im Zukunftsprozess der Diözese angedacht sind,sollen bis 2015 an die hundert Seelsorgeteams aktiv sein.
Einsatz in der eigenen Pfarre. Monika Heilmann ist Abteilungsleiterin für Pfarrgemeinde und Spiritualität im Pastoralamt der Diözese Linz und gemeinsam mit Gabriela Broksch für dieEntwicklung sowie für die Ausbildung von Seelsorgeteams zuständig. Für den Start der neuen Ausbildung im Herbst 2009 sindbereits drei Pfarren fix angemeldet, sechs Pfarren überlegen noch. Zu ihren persönlichenErfahrungen, die sie in der Begegnung mit den Männern und Frauen der Seelsorgeteams macht, meint Monika Heilmann: „Mich bereichert die Energie und die Motivation der Mitglieder. Das ist einfach ansteckend“.
Einlassen. Was das Modell Seelsorgeteam so erfolgreich macht, sieht Heilmann in mehreren Faktoren: „Es ist vor allem die Klarheit der Verantwortung. Seelsorgeteammitglieder wissen, worauf sie sich einlassen undhaben damit eine konkreteMöglichkeit einen Beitrag zuleisten, dass ihre eigene Pfarre lebendig bleiben kann“.