Wer den Alltag von Kindern und Jugendlichen in eine religiöse Feier bringen möchte, kommt an Events nicht vorbei.
Erwachsene feiern eher einen Anlass: Geburtstag oder Jubiläen. Jugendliche brauchen das nicht. Sie treffen einander am Wochenende zum Feiern. Dafür brauchen sie keine persönliche Einladung. Das kann auch zu Problemen führen. Etwa, wenn jemand eine kleine Party zu Hause plant und dann Gäste kommen, die von jemandem per SMS benachrichtigt worden sind. Bei Erwachsenenfesten gibt es Ansprachen, statt locker miteinander zu plaudern. Die Theologin Diana Güntner hat bei der Sommerbildung für Religionslehrer/-innen erzählt, wie Jugendliche feiern.
Event statt Fest. Statt Festen gibt es heute Events. Das kann von der Megaparty über Schülerdisco bis zum Bummel im Warenhaus alles sein. Gemeinsam ist den Veranstaltungen, dass sie einzigartig sind. Events versprechen eine Überschreitung des Alltags und werden immer mehr und immer größer. Sie sind geplant und es gibt eine eigene Branche, die damit Geld verdient, Events zu organisieren. Dem Einzelnen bleibt nur wenig Möglichkeit, sich räumlich und zeitlich zu beteiligen. Musik, Tanz, Licht, Theater, alles kommt vor und passt zusammen. Auch religiöse Symbole findet man manchmal ohne Sinn. Wer dabei ist, kann die Anforderungen des Alltags vergessen. Gemeinsam erlebt man etwas Besonderes. Ein Event ist für alle offen, und doch gehört man zu einer großen Familie.
Veränderte Erwartung. Auch wenn Organisatorinnen und Organisatoren von religiösen Feiern mit Kindern und Jugendlichen anders feiern wollen, müssen sie sich mit Events auseinandersetzen. Feste, von Vereinsfesten bis Schulfesten, haben zunehmend den Charakter von Events. Deshalb erwarten Jugendliche immer mehr, dass eine Feier etwas Einmaliges ist und sie sich dort einfach wohlfühlen.
Gedenkfeier. „Ein religiöses Fest macht aus, dass es eine Gedenkfeier ist, und dass es einen Bezug zum Alltag hat“, so Diana Güntner. Beim Event wird der Alltag verweigert, bei der Gedenkfeier wird er thematisiert. Gedenkfeier heißt, dass sich die Feiernden an die Heilsbotschaft erinnern. Zum Beispiel, wenn man zum Geburtstag Gott dankt, dass er uns das Leben schenkt. Dann geht es nicht nur um Spaß, sondern um die Freude über dieses Geschenk.
Eventliturgie. Güntner spricht sich dafür aus, dass Jugendliturgie Eventliturgie sein darf – aber nicht nur. Es passt, den Alltag von Jugendlichen, ihre Musik, Sprache und symbolische Handlungsformen zu übernehmen. Ein Beispiel ist für sie der Weltjugendtag, der für sie ein abgewandelter Event ist mit der Aussage: „Wir wollen uns nicht nur gut fühlen, sondern sehen auch unsere moralische und soziale Verantwortung in der Welt.“
Dr. Diana Güntner, Dozentin für kath. Theologie und Religionspädagogik an der Fachakademie für Sozialpädagogik.
Zur Sache
Feste.Feiern.Lebensfeuer
An die 200 Religionslehrerinnen und -lehrer aus allen Schularten haben zu Beginn dieser Woche an der „Sommerbildung 2009“ zum Thema „Feste.Feiern. Lebensfeuer“ der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz im Bildungshaus Schloss Puchberg teilgenommen. Thema waren religiöse Feste, Feiern und Rituale im Schulleben und ihr Beitrag zum Bildungsauftrag der Schule.
Religiöse Feiern in der Schule stehen vor vielen Herausforderungen. Religionslehrer/innen müssen sich der Feierkultur ihrer Schüler/innen stellen, damit sie nicht an ihnen „vorbei-feiern“.