Die unübersehbare politische „Werbung“ für die Abtreibung erregte vergangene Woche mehrfachen Widerspruch aus der Kirche.
Seit dreißig Jahren führt das „pro-woman-Ambulatorium“ am Wiener Fleischmarkt Abtreibungen durch. Das soll nun mit einem „Fest“ im Wiener Rathaus gefeiert werden. In einem persönlichen Brief an Bürgermeister Michael Häupl zeigte sich Kardinal Christoph Schönborn über diese Veranstaltung befremdet. Schönborn macht deutlich, dass die Kirche nicht nach Strafe für verzweifelte Frauen rufe, dass aber nach österreichischem Recht Abtreibung immer noch als Unrecht gelte, wofür unter bestimmten Voraussetzungen die Strafe ausgesetzt werde. „Ich verschließe nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen“, schreibt Schönborn, um dann darauf hinzuweisen, dass die Kirche mit ihren Hilfsfonds und den Beratungseinrichtungen in den vergangenen 36 Jahren tausenden Frauen geholfen habe. Statt einer Festveranstaltung für ein Abtreibungsambulatorium wäre es an der Zeit, „dass wir uns an einem ,runden Tisch’ zusammensetzen, um endlich über die Verwirklichung jener flankierenden Maßnahmen zur Fristenregelung zu sprechen, die Bundeskanzler Kreisky bereits 1974 zugesagt hat“, schreibt Schönborn.
Heftige Kritik an der von der Grazer sozialistischen Stadträtin Elke Edlinger herausgegebenen Broschüre „ungewollt schwanger“ übten die Lebensschutzbeauftragte der Diözese Graz, Ingrid Lackner, und der Präsident der Katholischen Aktion, Hans Putzer. Diese Broschüre soll laut Edlinger „Frauen bei ihrer Entscheidung – egal in welche Richtung – bestmöglich unterstützen“. Hinweise auf Beratungs- und Hilfsangebote fehlen allerdings in der Broschüre. Als einziger Ausweg werde letztlich nur der Schwangerschaftsabbruch aufgezeigt, sagt Lackner. Heftig kritisiert sie auch die Wortwahl: „Wer nur von Schwangerschaftsgewebe und Fruchtsack spricht, nie aber vom heranwachsenden Leben, zeigt deutlich seine ideologische Schlagseite.“ Besonders bedenklich findet Lackner, dass in der Broschüre auf niederländische Kliniken hingewiesen wird, die über die 12. Schwangerschaftswoche hinaus (Gesetz in Österreich) Abtreibungen durchführen. KA-Präsident Putzer warnt vor dem Versuch, die Fristenlösung „nicht ein weiteres Mal zur ideologischen Positionierung zu missbrauchen“. Er bedauert, dass es der Gesellschaft noch immer nicht gelinge, das Thema Abtreibung ideologiefrei und sachlich zu diskutieren. Dabei ginge es um eine doppelte Hilfestellung – für die betroffenen Frauen ebenso wie für den Schutz des ungeborenen Lebens.
Furchtbar. Auch „Familienbischof“ Klaus Küng nahm vor wenigen Tagen in einem „Presse“-Interview zur Thematik Stellung. Er bedauerte, dass man in Österreich über den Schwangerschaftsabbruch kaum sachlich reden könne. „Jede Erwähnung ruft fast eine Panikreaktion hervor mit dem Tenor: Die Fristenlösung ist ein Dogma.“ Es sehe sich als Anwalt der Kinder und der Frauen, die oftmals in einer Notlage alleingelassen würden, sagte Küng und forderte, dass endlich die versprochenen flankierenden Maßnahmen umgesetzt werden. Dringenden Handlungsbedarf gebe es auch bei der pränatalen Diagnostik. „Wenn eine Familie erfährt, dass Verdacht auf Missbildung beim ungeborenen Kind besteht, dann gerät sie in eine dramatische Entscheidungssituation.“ Anstatt den Betroffenen eine umfassende Beratung und Hilfe anzubieten werde ihnen oft nur gesagt, dass man in Österreich bei Verdacht auf Behinderung Kinder bis zum neunten Monat straffrei abtreiben dürfe. „Das ist furchtbar“, meinte Küng.