Vor zehn Jahren, am 27. August 1999, verstarb der weltweit als „Bruder der Armen“ bekannte brasilianische Bischof Dom Hélder Câmara im 91. Lebensjahr. Neben Mutter Teresa und Frère Roger Schutz zählt der kleine, energische Mann aus Recife zu den weit über die Kirchen hinauswirkenden Persön-lichkeiten des 20. Jahrhunderts. Soziales Engagement an der Seite der Arbeiter war für das elfte von 13 Kindern bereits in seinen frühen Priesterjahren ein Anliegen. Seine „Bekehrung“, wie er es nannte, erlebte er als junger Weihbischof von Rio de Janeiro. „Diese Favelas“, sagte ein alter Mitbruder zu ihm, „sind eine Beleidigung für den Schöpfer.“ Câmara begann in die Favelas zu gehen und erkannte in den Armen das Antlitz Jesu. Stets den Armen nahe wurde er zu einem prophetischen Kämpfer gegen die soziale Ungerechtigkeit, die er eine „kollektive Sünde“ nannte. Mit seinem Leben, seinem unerschrockenen öffentlichen Engagement und auch mit seiner tiefen Frömmigkeit „verkörperte“ Helder Câmara die Theologie der Befreiung.Von 1964 bis 1985 war er Erzbischof von Recife. Er stellte sein Bischofshaus den Armen zur Verfügung, legte sich mit der Militärdiktatur an und wurde als „roter Bischof“ – auch innerkirchlich – diffamiert. Câmara trug entscheidend zur Gründung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM und zu dessen wegweisenden Erklärungen bei und war einer der Väter der Basisgemeinden.