Im Oktober 2005 erhielt die Pfarre Dechantskirchen den österreichischen Solarpreis. Der Weg zur eigenen Photovoltaikanlage war dornig – aber viele sind ihn mitgegangen.
„Unser Herr Pfarrer ist wirklich ein Ökologie-Rat“, meint Maria Knöbl, PGR-Obfrau der oststeirischen Pfarre Dechantskirchen. Auf seine Initiative wurde 2001 der Arbeitskreis Schöpfungsverantwortung gegründet. „Bei der zweiten Sitzung schenkte uns Pfarrer Fank ein kleines Bäumchen und meinte, er hoffe sehr, dass aus dem Wirken des Arbeitskreises ein großer Baum wird“, erinnert sich Knöbl.
Starker Baum. Inzwischen ist der Baum kräftig gewachsen. Zahlreiche gut besuchte Informationsveranstaltungen wurden gemacht. Dabei kamen viele Themen zur Sprache wie Ökoenergie, Gefahren des Atomstroms, Energie und Wassersparen, nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums, lokale Nahversorgung, fairer Handel oder „Clean Clothes“. Unterschriftenaktionen gegen Atomstrom oder für eine bessere Förderung der Wind- und Sonnenenergie wurden durchgeführt. Regelmäßig werden Fair-Trade-Produkte und indische Waschnüsse verkauft. Eine Selbstbesteuerung des Wasserverbrauchs (10 Cent pro m3) bringt jährlich 800 bis 1000 Euro für einen Brunnen in Afrika. Ein autofreier Sonntag wurde eingeführt. Pfarrhof, Kirche und Pfarrkindergarten wurden auf Ökostrom umgestellt. Die Ölheizung für Pfarrhof und Kirche wurde durch Hackschnitzel ersetzt, der Kindergarten soll folgen. Die Volksschule beteiligt sich erfolgreich (2-mal gewonnen) an der Klimabündnis-Aktion „Grüne Meilen“ für einen umweltbewussten Schulweg. Als eine von neun österreichischen Pfarren beteiligte sich Dechantskirchen am Pilotprojekt kirchliches Umweltmanagement (EMAS). „Das war zunächst viel Arbeit, hat aber bereits zu vielen kleinen Verbesserungen geführt“, sagt Knöbl.
Sonnenkraft. Als das Kirchendach renoviert werden sollte, beschloss der Pfarrgemeinderat, das für die Errichtung einer Photovoltaikanlage zu nutzen. Mit neuen „integrierten Solarziegeln“ sollte das auch optisch gut ausschauen. Kirche – Kraft von innen und oben, das war der Plan. Doch das Denkmalamt sagte „Nein“. Auch ein zweites, schon weit ausgearbeitetes Projekt vor der Kirche scheiterte. „Schließlich wurde uns ein Platz vor dem alten Schulhaus genehmigt. Doch dann erfuhren wir, dass das Kontingent für den erhöhten Einspeistarif für Sonnenstrom (60 Cent) bereits ausgeschöpft ist. Der Pfarrgemeinderat beschloss, das Projekt dennoch zu machen, auch wenn es sich erst in 30 statt in 12 Jahren abzahlt. Wir wollten damit ein Zeichen setzen – auch gegen den Import von Atomstrom“, sagt Knöbl. Mit einer großen Informationsoffensive gelang es, die Bevölkerung für das Projekt zu begeistern. 18.000 Euro wurden gespendet. Am 8. April 2005 wurde die Anlage mit einem großen Fest eröffnet. „Kurz danach bekamen wir die Mitteilung, dass wir doch den höheren Einspeistarif bekommen. In kurzer Zeit waren die Kosten von 34.000 Euro abgezahlt. Und wir haben bereits über 15.000 Euro Gewinn auf unserem Ökosparbuch für weitere Projekte“, freut sich Maria Knöbl.