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Jetzt auch noch Boletice

Gegen Atommüll-Endlager am Moldau-Stausee formiert sich Widerstand
Ausgabe: 2009/38, Boletice, Atommüll, Moldau, Stausee, Widerstand, Temelin, Tschechien, Kraftwerk
16.09.2009
Seit dem Jahr 2000 läuft der Reaktorblock in Temelin. Der Atommüll wird am Gelände selbst gelagert.


Nur 250 Einwohner leben in Boletice am Moldau-Stausee, nahe dem Adalbert-Stifter-Geburtsort Oberplan (Horni Plana). Hier in Boletice oder im westböhmischen Hardiste will Tschechien den Atommüll aus den Kraftwerken Temelin und Dukovany endlagern.

Mit dem Baubeginn des Atommüll-Endlagerswäre nach Abschluss aller Verfahren um das Jahr 2050 zu rechnen. In Betrieb sollte es 2065 gehen. Doch es formiert sich Widerstand im Dreiländer-Eck. Am 8. September lud die Umweltakademie des Landes Oberösterreich nach Schwarzenberg zur grenzübergreifenden Information und Bürgerdiskussion.

Es gibt keine sicheren Endlager. Es ist, als ob man ein Flugzeug starten ließe, ohne eine Landebahn zu haben. So formuliert einer der Teilnehmer die Situation am Atomkraftwerkssektor. Weltweit laufen in 210 Kernkraftwerken 439 Reaktoren, aber es gibt kein einziges Endlager für den hochradioaktiven Müll. Das deutsche „Probe-Endlager“ Asse II hat mit massiven Problemen zu kämpfen. Wasser dringt ein, allen Prognosen zum Trotz hält der Salzstock, in dem der atomare Müll eine Million Jahre sicher gelagert werden müsste, nicht. Das Lager muss möglicherweise geräumt werden. Und um die Sicherheit des geplanten Lagers in Gorleben ist eine heftige Diskussion entbrannt.
Atomkraftgegner fordern daher die Stilllegung der Atomkraftwerke, solange die Frage der Endlagerung nicht geklärt ist. Und die dürfte nach heutigem Stand der Wissenschaft auch nicht zu erreichen sein.
Finnland und Schweden wollen ab 2020 Atommüll in rund 500 Metern Tiefe für 100.000 Jahre einlagern. Bedenkt man, dass vor 20.000 Jahren die Alpen in Österreich fast vollständig mit Eis bedeckt waren – auch das heutige Salzburg lag unter Eis und die Gletscherausläufer reichten weit in das Alpenvorland – so lässt sich ermessen, welche Kräfte auf solche Endlager zukommen können. „Niemand kann für so lange Zeit eine Sicherheitsgarantie abgeben“, meint Umweltlandesrat Rudi Anschober. Oberösterreichs Landesregierung hat daher ihre Einwände gegen Temelin parteiübergreifend formuliert. Auch die Gemeinden im Böhmerwaldgebiet suchen den Schulterschluss über die Staatsgrenzen hinweg.

Eine Last für hunderte Generationen. „Über eine so lange Dauer kann man sich nicht sicher sein!“ Das sagt auch der Umweltsprecher der Diözese Linz, Univ.Prof. Michael Rosenberger – und plädiert für einen gänzlichen Ausstieg aus der Atomenergienutzung. Hunderten von Generationen würde sonst eine Last aufgebürdet.
Der bereits jetzt angefallene atomare Müll müsse jedoch so sicher wie möglich verwahrt werden. Er muss dann auf hunderte Generationen hinaus beobachtet, eventuell wieder geborgen und neu verwahrt werden können. Dazu sei es notwenig, relativ rasch geeignete Standorte ausfindig zu machen. Nur in Regionen zu gehen, in denen wegen der geringen Bevölkerungsdichte mit weniger Widerstand zu rechnen ist, mache diese Lager nicht sicherer. Die Lagerung des Bestehenden dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden, sagt der kirchliche Umweltsprecher.

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