Wer durch Linz fährt, dem schreit es dutzendfach von großflächigen Plakaten entgegen: Der Westring ist eine Schlinge um den Hals von Linz. Das sagen Bürgerinitiativen, die gegen den Westring kämpfen.
Auf der Homepage des Landes Oberösterreich steht dagegen zu lesen: „Der Linzer Westring ist ein Projekt höchster Priorität. Die Verkehrszahlen sind in den letzten Jahren ständig gewachsen und ein Ende ist bei weitem nicht in Sicht. Linz erstickt im Verkehr ... Durch den Bau des Linzer Westrings könnte sich die unerträgliche Situation ändern.“ Das Land informiert weiter, dass das erste Teilstück, Tunnel Froschberg/Freinberg und vierte Donaubrücke, bereits 2014 eröffnet werden könnte. „Die Vorfreude in Linz ist bereits groß“, heißt es wörtlich.
Tirol als Warnung. Völlig anders sieht das die „Plattform der Bürgerinitiativen gegen die Westring-Transitautobahn mitten durch Linz“. Verkehr sei nicht Leben, das zeige sich an den Tiroler Transitstrecken. Nahezu alle Gemeinden im Tiroler Zentralraum seien Feinstaub-Sanierungsgebiete. Österreich habe keinen Straßennotstand, sondern einen Gesundheitsnotstand. Daher brauche es Maßnahmen, die die Luftgüte und die Lebensqualität der Menschen verbessern.
Die Gegner rechnen vor. Der Westring sei zu teuer, sagen die Gegner. Er koste in 25 Jahren soviel, dass man in dieser Zeitspanne 120.000 Personen, das sind drei Viertel aller nach Linz pendelnden Personen, die Jahreskarten für die Nutzung von Öffis zahlen könnte. Über den Westring werde höchstens ein Fünftel des Zielverkehrs nach Linz gelenkt. Lediglich ein Vierzigstel aller Pkw-Kilometer von Pendlern würde dann von der Stadt weg auf die Transitautobahn verlagert. Der Entlastungs-Effekt sei viel geringer als angekündigt – nicht 50.000 Menschen würden davon profitieren, sondern maximal 10.000. Den Planern und der Politik wird vorgeworfen, keine Alternativen geprüft zu haben.
Die Wirtschaft befürwortet. Die Vertretung der Wirtschaft – die Wirtschaftskammer Oberösterreich – argumentiert ganz anders: „Abertausende Pendler stehen an Werktagen am Morgen bei den Linzer Stadteinfahrten aus Richtung Eferding, Rohrbach, Bad Leonfelden und Freistadt im Stau. Am Abend ist die Situation bei den Stadtausfahrten in diese Richtungen nicht anders“, sagt der Präsident der Kammer, Dr. Rudolf Trauner. Er meint: „Wir selber sind es, die das hohe Straßenverkehrsaufkommen im Zentralraum verursa- chen. Wir profitieren daher auch von besseren Straßen und damit vom Linzer Westring!“ Wer gegen den Westring agiere, agiere auch gegen die Bevölkerung, die an den Stadteinfahrten und in der Innenstadt wohne, und er agiere auch gegen die Wirtschaft. Trauner erinnert an die Kämpfe um die Pyhrn-Autobahn in den 1980er-Jahren. Heute sei diese eine sichere und komfortable Verbindung.
Die Diözese mahnt. Der Umweltsprecher der Diözese und Rektor der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, Dr. Michael Rosenberger, argumentiert dagegen für andere Maßnahmen zur Entlastung von Pendlern und Anrainern. Eine wirksame Verringerung des innerstädtischen Individualverkehrs sei zwar zu begrüßen. Doch ob der Westring dem Rechnung trage, sei zu fragen. „Eine Autobahn, die ökologisch sensible Bereiche wie die Urfahrwänd zerstöre und eine Transitachse nach Prag herstellt, ist gemessen am Ziel der Anbindung des Oberen Mühlviertels hoffnungslos überdimensioniert.“ Mittelfristig sei der öffentliche Verkehr auszubauen und langfristig eine stärkere Verkehrsvermeidung durch bessere Regional- und Raumplanung anzustreben.