Zum Sonntag der Völker am 27. September ein Blick darauf, wie Schwarzafrikaner bei uns leben
Ausgabe: 2009/39, Kulturen, Völker, Land, Afrikaner, Njoku, Kirche, Kirche, Black Community
25.09.2009
- Ernst Gansinger
„Die Situation der Afrikaner in Österreich ist allgemein sehr, sehr schwer“, sagt Uche Anselm Njoku von der Black Community in Linz. Wohnen, Arbeiten, Freizeit – kaum etwas ist so normal möglich, wie es österreichische Bürger/innen gewohnt sind.
Wenn die Kirche am 27. September zum „Sonntag der Völker“ einlädt (siehe Kasten rechts), werden im Linzer Dom und vor dem Dom auch Schwarzafrikaner zum bunten Bild beitragen. In Oberösterreich leben 2.800 Menschen aus Afrika (Stand Jahr 2007). Als Sportler oder als Kulturschaffende genießen die Menschen dunkler Hautfarbe Respekt und Anerkennung. Als Mitbürger und Mitbürgerinnen haben sie es schwer. Das Vorurteil vieler Österreicher/innen stempelt sie als Drogendealer, Verbrecher und Menschen ab, die auf Kosten der Steuerzahler hier leben.
„Wo ich lebe, ist meine Heimat.“ „Wie können wir Vertrauen zwischen Einheimischen und Schwarzafrikanern herstellen?“, fragt Njoku, der auch im Integrationsbüro der Stadt Linz arbeitet. Schwarzafrikaner sind offene Menschen, erzählt er, aber sie erleben hier Verschlossenheit. Das ist sogar buchstäblich so: In vielen Lokalen weisen Türsteher Menschen dunkler Hautfarbe ab: Schwarze nicht erwünscht! Das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Menschenwürde, sondern beachtet auch das Heimatgefühl der aus Afrika zugewanderten Menschen nicht: „Wo ich lebe, ist meine Heimat!“ sagt Uche Anselm Njoku.
Wohnung, Arbeit, Schule . . . Vorurteile sorgen für schwierige Bedingungen von Menschen fremder Kulturen. Haben sie dunkle Hautfarbe, haben sie es noch schwerer, weil man gleich sieht: Die sind nicht von hier. Das wirkt sich bei der Arbeitssuche aus; sie bekommen nur niedrigste Arbeit. Auch Schulkinder erleben Diskriminierung. Wohnungen erhalten oft nur Inländer! Wenn Menschen dunkler Hautfarbe dann eine Wohnung finden, erleben sie häufig Ablehnung. In Njokus Postkasten etwa landen fast wöchentlich benutzte Taschentücher. „Auch auf der Straße ist es schwer!“ Genauso in der Straßenbahn – Plätze ihm gegenüber bleiben oft leer. Sein Privatleben spielt sich, um dem allen aus dem Weg zu gehen, fast ausschließlich in der Wohnung ab, dort kann er sich zurückziehen. Er wäre aber gerne auch mit Freunden unterwegs.
Ruhestörung. Beschwerden über die Nachtruhe störende lautstarke Unterhaltung bzw. Musik von Afrikanern versteht Njoke nicht. Natürlich kann er nicht sagen, das gebe es nicht. Aber das müsste in normalem Ton auszureden sein. Er kenne übrigens das Problem auch umgekehrt: Lärm von Österreichern. Deswegen dürfe man aber nicht ganze Volksgruppen mit Vorurteilen zudecken. „Integration kommt nicht von einer Seite, sondern von beiden Seiten“, sagt Uche Anselm Njoku.
Paraplü Steyr. Mag. Brigitte Egartner vom Caritas-Integrationszentrum Paraplü in Steyr weiß von keinen problematischen Wahrnehmungen Schwarzafrikaner betreffend. Als Ausländer/innen würden in Steyr viel stärker Migrantinnen und Migranten aus der Türkei gesehen.
Zur Sache
Sonntag der Völker
Unter dem Motto „Gott kennt keine Grenzen“ steht heuer der „Ausländer-Sonntag – Sonntag der Völker“, zu dem Pastoralamt und Caritas der Diözese Linz am 27. September in den Linzer Mariendom einladen. Bischof Dr. Ludwig Schwarz wird um 10 Uhr einen vielsprachigen Gottesdienst leiten, an den ein „Fest der Völker“ auf dem Domplatz anschließt. „Dieser Sonntag soll helfen, dass Menschen aus verschiedenen Nationen, welche in unserer Diözese leben, einander besser verstehen und schätzen lernen“, heißt es in der Einladung, die KsR Prof. Dr. Laszlo Vencser, Leiter der Abteilung Fremdsprachige Seelsorge im Pastoralamt, und Mag. Hans Schwarzbauer, Leiter der Abteilung Beratung & Integration der Caritas für Menschen in Not, gemeinsam aussprechen.
Black Community
2005 wurde die „Black community“„für die Rechte, der in Österreich lebenden schwarzen Menschen“ gegründet. Auslöser war, dass sechs Schwarzafrikaner seit 2000 in Schubhaft und bei Kontakten mit Sicherheitskräften gestorben sind. Die Black community gibt kostenlose Beratung, unterstützt und hilft bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, in Bildungsangelegenheiten, Nachbarschaftskonflikten ... Sie klärt auch darüber auf, was in Österreich üblich ist, etwa wie der Müll zu trennen ist. Sie bietet Sprachkurse an. Und nimmt am politischen Leben teil. Ziel ist, zu einem positiven Klima beizutragen.