Neun Jahre schon sind die Renovierungsarbeiten an Pfarrhof und Barockkirche ein beherrschendes Thema in Garsten. Wie die Pfarre mit dieser Herausforderung umgeht, erklärt Pfarrassistent Stefan Grandy.
Dass die riesige, für eine ganze Ordensgemeinschaft gebaute Barockkirche für die heutige Pfarre eine Belastung darstellt, will Stefan Grandy gar nicht bestreiten. Aber das historische Erbe ist nun einmal da und es gilt damit verantwortungsvoll und kreativ umzugehen. Wie das in der Praxis ausschaut, hat die Pfarre Garsten vor allem während der vergangenen drei Jahre der Innenrenovierung der Kirche gezeigt. Während der gesamten Bauphase wurde in der Kirche Gottesdienst gefeiert - unter und neben den Gerüsten. „Ein Gerüst ist und bleibt ein Störfaktor, doch wir haben das für uns genutzt”, sagt Grandy. So machten die spirituell-künstlerischen Aktionen des Garstenenser Triptychons die Baustelle zu Thema, und auch bei den Kindergfottediensten bot das Metallgestänge viele Gestaltungsmöglichkeiten. Das hautnahe Miterleben der Bauphase ist für die Pfarre ein Gewinn, weiß der Pfarrassistent aus Erfahrung: Die Kirche als Gebäude kommt so den Menschen näher. Für viele Kirchenbesucher/innen war es ein einprägsames Erlebnis, als das Deckengerüst abgebaut und ein erster Blick auf das hell erleuchte Deckengewölbe mit seinen Fresken möglich wurde. Da konnte man spüren, was Barock bedeutet, unterstreicht Grandy: „Eine Vorahnung auf die Fröhlichkeit des Himmels.”
Goldglanz kontra Barackenkirche. Die lang dauernden Renovierungsarbeiten haben aber auch Fragen nach den Aufgaben der Kirche heute aufgeworfen. Muss eine Pfarre so viele Kräfte in den Erhalt eines Gebäudes aus der Vergangenheit binden? Würde ein einfacher Raum nicht genügen? „Ich halte nichts davon, vergoldete Altäre gegen eine Barackenkirche in den Favelas Brasiliens auszuspielen. Garsten ist unsere Situation und sie ist Auftrag an uns“, so Grandy. Das bedeutet für ihn, mit dem Kirchenraum zu arbeiten: „Die Gestaltung einer Kirche ermöglicht Glaubenserfahrungen. Ein schöner Raum ist dafür hilfreich.“ Gleichzeitigt betont er, dass sich die Spannung zwischen prunkvollen Gotteshäusern und der Not der Menschen nicht auflösen lässt und es sie auszuhalten gilt. „Wir haben während der Bauzeit aber nicht nur auf uns selbst geschaut“, ergänzt der Pfarrassistent: Die Spenden für Caritas, Sternsingen und Dritte Welt blieben alle die Jahre hindurch mit rund 50.000 Euro konstant.
Zur Sache
Garsten als Langzeit-Baustelle
Der erste Brief, der die umfassende Renovierung des Pfarrhofes und der barocken Stiftskirche zum Inhalt hatte, wurde 1998 abgeschickt. Seither ist das Thema „Bauen“ in der Pfarre präsent: Im Jahr 2000 stand das Pfarrhof-dach zur Sanierung an, 2004 kam die Pfarrhoffassade an die Reihe und ein Jahr später die Kirchenfassade mit den Türmen und dem Kirchenschiff. Mit 10. Jänner 2007 begann die Intensivphase: die Renovierung des barocken Innenraums der ehemaligen Stiftskirche. Mit der Altarweihe am 18. Oktober 2009 um 9 Uhr wird die Erneuerung der Kirche abgeschlossen. Den tatsächlichen Schlusspunkt setzt die Orgelweihe am 8. Dezember 2009. Die gesamten Arbeiten kosten 3,6 Millionen Euro, eine Million davon hat die 4.600 Katholiken zählende Pfarre selbst zu tragen. Die Pfarrgemeinde hat bereits 70 Prozent aufgebracht. Das Fest „900 Jahre heiliger Berthold in Garsten“ im Jahr 2011 kann die Pfarre jedenfalls in einer beeindruckend erneuerten Kirche feiern.
- Wer die Kirche besuchen möchte, muss beachten, dass sie von 12. Oktober bis 7. Dezember 2009 wegen der Intonierung der Orgel nur von 13 bis 16 Uhr geöffnet ist.Zum Kulturprojekt „Garstener Triptychon” siehe Seite 29.