Kunst-Ausstellung in Hartheim thematisiert das Leben von Grenzgängerinnen
Ausgabe: 2009/41, Ausstellung, Hochschaubahn, Gefühle, Hartheim, Grenzgängerinnen, Welt
07.10.2009
- Elisabeth Leitner
Die Welt war gerade noch in Ordnung. Eine kleine Irritation von außen genügt: schon stürzt das Weltengebäude zusammen, übrig bleibt ein verletztes, kleines Ich. – Künstlerinnen mit der Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ zeigen in der aktuellen Ausstellung in Hartheim ihre Arbeiten.
Ein Leben zwischen den Grenzen führen Menschen, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben: kreativ, impulsiv, phantasievoll und mitreißend zu sein, zählt zu ihren großen Stärken. Ihr Leben wirkt bunt, spannend und abwechslungsreich. Extreme Gefühlsschwankungen, die von Außenstehenden oft schwer nachvollziehbar sind, ein ständiger Kampf zwischen Nähe und Distanz mit Menschen, die sie lieben – das sind jene Seiten, die das Leben mit Borderline-Persönlichkeitsstörung anstrengend machen. Brüche, Trennungen, eruptive Ausbrüche aus dem Nichts bestimmen den Alltag. Oftmals werden Ausbildungen abgebrochen, Beziehungen plötzlich beendet – all dies geht mit einem großen Leidensdruck für alle Betroffenen einher. Die Angst vor Einsamkeit, die Sehnsucht nach bedingungsloser Nähe, die große Leere sind ständige Begleiter im Leben dieser Grenzgänger/innen, die sich oft auch als „Lebenskünstler/innen“ verstehen.
Zwischen Koma und Amok. Eine Ausstellung in Hartheim präsentiert nun Arbeiten von Künstler/innen, die mit Borderline-Diagnose leben. „Ich male Menschenbilder, oft auch Selbstporträts, in extremen Situationen, die ich selber durchgemacht habe“, erzählt Karin Birner. Sie trägt den Künstlernamen KOMAKOK“, eine Kombination der Wörter „Koma und Amok“: „Es sind dies Zustände, zwischen denen ich mich gefühlsmäßig bewege“, so die Künstlerin. Die inneren Bilder drängen sich ihr auf und wollen sofort auf die Leinwand, erzählt sie.
Kreativität und Kunst. Nicht jede kreative Betätigung sei gleich Kunst, schränkt das Organisationsteam der Ausstellung „tales of a borderline“ ein. Für diese Schau habe man aber bewusst Künstlerinnen wie Tamara Whyte, Anita Kaiser-Petzenka, Karin Birner und Irene Apfalter eingeladen, um ihre Wahrnehmung der Welt in verschiedenen Arbeiten zu präsentieren. Die Ausstellung ermöglicht Einblicke in einen künstlerischen Prozess, der die eigene Krankheit zum Thema macht. Eine neue Welt tut sich für die Betrachter/innen auf: Die ausgestellten Werke sind berührend, verstörend, beeindruckend und zeigen das bunte Universum, in dem die Schöpferinnen dieser Arbeiten leben. Zu sehen ist die Ausstellung ab 7. Oktober.
- Ausstellung „tales of a borderline“, Kulturformen Hartheim, Alkoven, bis 31. 1. 2010.