Kopf der Woche: Adolfo Maria Pérez Esquivel, Bürgerrechtler
Ausgabe: 2009/41, Gandhi, Kopf der Woche, Adolfo Maria Pérez Esquivel, Bürgerrechtler, Argentinien, UNO, Angst, Militärdiktatur,
07.10.2009
- Susanne Huber
Seit mehr als 30 Jahren arbeitet der Bürgerrechtler Pérez Esquivel in Argentinien für die Menschenrechte. 1980 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In Insbruck sprach er jüngst über seine Arbeit.
Zu den Verbrechen der Militärdiktatur in Argentinien konnte der Bildhauer und Architekt Pérez Esquivel nicht schweigen, hat sie immer wieder vor der UNO und vor internationalen Menschenrechtsorganisationen vorgebracht. Dafür ist er 1977 ohne Anklage verhaftet worden. Seine Frau und seine drei Söhne wurden darüber nicht informiert. Hätte er nicht schon einen gewissen Bekanntheitsgrad gehabt, wäre er sicher unter den 30.000 Menschen, die während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 spurlos verschwunden sind. Nach 14 Monaten Haft und Folter kam Esquivel frei, weil der internationale Druck auf die Militärjunta zu groß wurde. Seine Spiritualität gab ihm Kraft, stets für seine Ideale zu kämpfen.
Vorbild Gandhi. Bereits 1974 war Esquivel Mitbegründer der Organisation „Servicio Serpaj“, die für Frieden, gerechte Justiz, interreligiöse und multikulturelle Gewaltlosigkeit steht und in ganz Lateinamerika vernetzt ist. Die Organisation unterstützt u. a. Jugenddörfer für 300 argentinische Straßenkinder. „Wir ermöglichen den jungen Menschen eine Ausbildung in den Bereichen Landwirtschaft und Technik, damit sie ein Leben in Würde und ohne Armut leben können“, so Esquivel, der selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Eine Biographie über Gandhi hat sein Leben schon in jungen Jahren im Hinblick auf Gewaltlosigkeit, Interreligiosität und fremde Kulturen geprägt. Bis heute hilft er der indigenen Bevölkerung im Kampf um ihren Lebensraum, der wegen großem wirtschaftlichem Interesse gefährdet ist. (Siehe Thema)
Adolfo Maria Pérez Esquivel: „Wir ließen uns nicht von unserer Angst bezwingen. Denn die Angst paralysiert, und von der Angst zur Feigheit ist nur noch ein Schritt. Und wenn wir uns von der Feigheit beherrschen lassen, verlieren wir das Fundamentalste: Das Recht, ein Mensch zu sein.“