28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 11. Oktober 2009
Ausgabe: 2009/41, 28. Sonntag im Jahreskreis, sich Gott überlassen, Sr. Silke Mallmann, Wort zum Sonntag, Mosambik, AIDS, Loslassen, materieller Besitz, alles schenken, Markus, Evangelium, Lesung
07.10.2009
„Gott ist gut! Er sorgt!“ ist für diese Frauen, denen selbst oft genug das Wassr bis zum Hals stand, zur persönlichen Erfahrung geworden, die ihnen keiner nehmen kann; ein unbedingtes Gottvertrauen ist ihnen geschenkt. Das Bemühen um dieses Gottvertrauen ist es ja gerade, was Jesus vom reichen Jüngling fordert wenn er sagt: „Geh und verkaufe alles“. Jesus geht es dabei gar nicht so sehr um das Loslassen des materiellen Besitzes; es geht Ihm darum, dass wir Ihm erlauben, uns alles zu schenken.
Evangelium
Mk 10, 17–30
Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgung, und in der kommenden Welt das ewige Leben.
1. Lesung
Weish 7, 7–11
Daher betete ich, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.
2. Lesung
Hebr 4, 12–13
Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
Kinder im Zentrum der Hoffnung . . .
. . . in Namaacha in Mosambik. Die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut betreuen hier gemeinsam mit der Caritas Vorarlberg ein Tageszentrum für Kinder, deren Eltern an AIDS erkrankt oder bereits verstorben sind. Die Betreuerinnen der Kinder sind Frauen aus dem Dorf, die von den Schwestern und der Caritas ausgebildet werden und so auch für ihr eigenes Leben und ihre Familien Hoffnung und Zuversicht bekommen.
Wort zum Sonntag
Für Gott ist alles möglich
Sister, don’t worry, God is good! Schwester, keine Sorge, Gott ist gut! Das ist wohl einer der Sätze, die ich in Afrika am meisten gehört habe. Immer dann, wenn ich zu zweifeln begann, mich vor unüberwindlichen Problemen stehen sah, kam irgendwann eine der Frauen zu mir und bekräftigte: „Don’t worry, God is good!“ Dieses unerschütterliche Vertrauen der Frauen in Gottes Vorsehung konnte mich anfangs zur Weißglut bringen. War das nicht nur fromme Entschuldigung? Pure Resignation? Schicksalsergebenheit? Erst im Laufe der Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, dass dies – aus dem Mund von Frauen, denen selber oft genug das Wasser bis zum Hals stand – keine Resignation im Sinne von Aufgeben und kein billiger Trost war, sondern der Ausdruck einer tiefen Gotteserfahrung. Die meisten dieser Frauen hatten seit ihrer Kindheit und Jugend Situationen erlebt, die mit menschlichem Vermögen nicht zu bewältigen, nicht zu lösen, nicht zu überleben waren. Wo für Menschen „alles unmöglich“ war, hatten sie, so erzählten sie mir, zu Gott geschrien wie die Israeliten in der Wüste – und was menschlich unmöglich schien, wurde möglich. „Gott ist gut! Er sorgt!“ ist für sie zur persönlichen Erfahrung geworden, die ihnen keiner nehmen kann; ein unbedingtes Gottvertrauen ist ihnen geschenkt, um das ich sie zugegeben noch immer ein wenig beneide. Das Bemühen um dieses Gottvertrauen ist es ja gerade, was Jesus vom reichen Jüngling fordert, wenn er sagt: „Geh und verkaufe alles“. Jesus geht es dabei gar nicht so sehr um das Loslassen des materiellen Besitzes; es geht Ihm darum, dass wir Ihm erlauben, uns alles zu schenken. Es geht darum, uns nicht abzusichern, sondern uns Ihm zu überlassen. Das ist es, was Nachfolge bedeutet: mich selber, meine Sicherheiten, meine kleinen Absicherungen, meine Kontrolle Ihm zu überlassen. Damit ich so sein erlösendes Wirken, seine Heilung, seinen Trost, sein Gutsein, seine Nähe – diesen bleibenden Schatz im Himmel – und die Tatsache, dass bei Ihm alles möglich ist, erfahren darf.
Zum Weiterdenken
Wann habe ich den Satz zuletzt gehört oder jemandem gesagt: Keine Sorge, Gott ist gut!
Sr. Silke Mallmann Missionsschwester vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg, als Konsulentin der Caritas Vorarlberg 2000 bis 2008 in der HIV/Aids-Arbeit in Südafrika und Mosambik.