Von der Endlichkeit kommt der Sinn. – Diese Position, eingebracht von Oberarzt Dr. Johann Zoidl bei der Veranstaltung „Vom Umgang mit der Endlichkeit. Gelungenes Leben – gelungenes Sterben“ griff dann auch der Philosoph Univ.Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann auf.
Die Hypo Oberösterreich hat am 7. Oktober ins forte, das FortBildungszentrum der Elisabethinen Linz, zum „Forum Kirche und Soziales“ eingeladen. Am Podium diskutierten außer Liessmann und Zoidl die Präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese Linz, Margit Hauft, und der evangelische Pfarrer Walter Fesenbeckh, ein Schweizer Theologe.
Der freie Wille beim Freitod. Fesenbeckhs Eingangs-Statement, mit dem er seine Aufgabe als „Freitod-Begleiter“ im Verein EXIT vorstellte, sorgte für viel Gesprächsstoff. Margit Hauft stellte die Frage, wie oft sich Menschen tatsächlich für den Freitod aus dem von Fesenbeckh betonten freien Willen entscheiden. Dr. Zoidl, der die Palliativstation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz leitet, griff das Argument Fesenbeckhs auf, wonach es das Sterben aus eigenem Willen dem Patienten möglich mache, sich von den ihm nahe stehenden Menschen bewusst und sehr intensiv zu verabschieden.
Das Ende des Lebens bewusst wahrnehmen. Zoidl fasste Gründe zusammen, warum Menschen auch große Schmerzen auf sich nehmen und sich nicht medikamentös in eine Schläfrigkeit versetzen lassen: Es kann der Wunsch sein, sich noch auszusöhnen. Es kann auch die Angst sein, dass man die Fassade nicht mehr aufrechterhalten kann, wenn mit den physischen Kräften und der Kontrolle über diese auch die psychischen Kräfte schwinden. Und bis zum Schluss ist da oft das Gefühl, es wäre noch so viel zu tun. Das Gefühl vom unerfüllten Leben.
Das Gefühl, vieles versäumt zu haben. Margit Hauft zeigte auf, wie schwer sich die Gesellschaft mit dem Älter-Werden und dem Alter tut. Die Schwemme von Buchtiteln etwa, die die Leser/innen anleiten, wie sie fit ins hohe Alter kommen, sind Beweise dafür. Doch aus dem Traum von fortdauernder Jugend könnte Zoidls Frage reißen: „Ist es ein gelungenes Leben, wenn ich 130 Jahre alt werde?“ Am Ende bleibe das gleiche Problem – das Gefühl, vieles versäumt zu haben, nicht gelebt zu haben. Margit Hauft knüpft hier an, wenn sie meint, die Endlichkeit hält uns an, nicht sehr aufschiebend zu leben.
Alles Menschliche ist endlich. „Es macht einen Unterschied“, sagte Liessmann, „ob ich in einer Gesellschaft lebe, die das Leben als das Schützenswerteste erkennt“. Liessmann sagte, es sei eine große Sehnsucht der Menschen, Dinge, die ihnen wichtig sind, auf Dauer zu stellen. Das aber ist das Verflixte am Leben: Alles Menschliche ist endlich. Zoidl wies auf das tiefe Wissen um die Bedeutung der Endlichkeit hin, das sich zum Beispiel im oft zu hörenden Wunsch zeigt: „Ich möchte endlich leben!“ Keine Rede also davon, unendlich leben zu wollen. „Gerade von der Endlichkeit kommt der Sinn“, griff Liessmann den Hinweis von Zoidl auf. Und brachte dazu ein sehr anschauliches und humoriges Beispiel: „Niemand sagt, ich fahr nicht auf Urlaub, denn nach zwei Wochen ist eh alles wieder vorbei.“