Die typischen Frauenberufe wie Friseurin, Bürokauffrau oder Köchin sind beim weiblichen Nachwuchs am beliebtesten. Gleichzeitig aber versuchen sich vermehrt junge Frauen in den klassischen Männerdomänen. Eine Mechatronikerin und eine Karosseriebautechnikerin erzählen über ihre Erfahrungen in einer Männerwelt.
Für Daniela Knotz beginnt der lange Weg zur Gleichberechtigung jede Woche aufs Neue. Eine 280-Kilometer-Strecke legt die 22-jährige Frau von ihrem Heimatort in der Oststeiermark zurück, damit sie ihren Traumberuf in Mauthausen erlernen kann: Karosseriebautechnikerin. Eine klassische Männerdomäne. Auf 35 männliche Lehrlinge kommt in dieser Branche im Schnitt nur eine einzige weibliche Nachwuchskraft. „Wenn man sich jeden Tag auf die Arbeit freut, ist das Leben schön“, schwärmt sie heute über ihren Job beim Autohaus Wipplinger in Mauthausen. Dabei ist ihr Arbeitgeber eine löbliche Ausnahme. Denn die Lehrstelle, die sie glücklich macht, hat sie erst nach einer langen Durststrecke bekommen. Zwei Jahre musste sie sich mit Hilfsjobs begnügen. Der Grund für die schwierige Suche: Vielen Autowerkstätten war es einfach zu exotisch, dass Daniela eine Frau ist. „Schnuppern durfte ich meistens schon. Aber nachdem ich ein paar Tage voll mitgehackelt habe, hat es dann oft geheißen: „Ein Mädel nehmen wir nicht, weil der Betrieb für Frauen keine Toiletten hat“, erzählt die junge Steirerin. Es ist eine Masche, die auch Cornelia Bauernfeind nur allzu gut bekannt ist. Sie konnte sie aber nicht von ihrem Ziel abbringen, eine Lehre als Mechatronikerin zu beginnen. Die 17-jährige aus St. Thomas am Blasenstein ist so wie Daniela Knotz eine von den zwölf jungen Frauen, die das kirchliche Jugendnetzwerk Strudengau in einem Kalender vorstellt: „Just Girls. Junge Frauen in Männerwelten“. Das Netzwerk will jungen Mädchen damit Mut machen, es auch in den technischen Wirtschaftszweigen zu versuchen und ihre Talente zu entdecken (siehe Spalte rechts). Außerdem sollen die vorbildlichen Betriebe damit vor den Vorhang geholt werden. Cornelia wünscht sich, „dass sich viele an uns ein Beispiel nehmen und mehr Mädchen in den technischen Berufen anfangen“.
Technik-Interesse begann in der Kindheit. Einer der großen Vorteile der Technikbranche ist die höhere Entlohnung. Insgesamt drängen weniger junge Menschen in diesen Sektor, was dazu führt, dass die Jobs deutlich besser bezahlt werden müssen. Für Cornelia war das aber bei weitem nicht so wichtig, wie ihr Interesse an der Tätigkeit. Seit klein auf hat sie sich für technische Berufe begeistert, hat ihrem älteren Bruder in der Werkstatt am Schweißgerät geholfen. Und: „Frauenberufe sind mir zu fad. Das hat jeder. Irgendwer muss sich mal was anderes trauen“.
Sehr ähnlich ist die Situation bei Daniela Knotz: „Ich bin nur mit Buben aufgewachsen, und meine Hobbys waren mit Fußball und Autos auch nie typisch für Frauen“. Trotz dieser Anknüpfungspunkte war der Einstieg in die männliche Berufswelt nicht ganz leicht, wie beide Frauen erzählen. „Was tust du denn da? Du bist ja ein Mädchen!“, bekam Cornelia von ihren männlichen Kollegen am ersten Arbeitstag zu hören. In ihrem Betrieb, der Firma Engel in Schwertberg, ist sie unter 38 Technik-Lehrlingen die einzige Frau. „Die ersten Wochen waren sehr hart“, erzählt sie. „An die anzüglichen Schmähs mancher Kollegen musste ich mich erst gewöhnen. Ich hab aber bald gelernt, mich zu wehren.“ Kämpferisch war auch die Ansage der selbstbewussten jungen Frau: „Ihr werdet’s euch noch anschauen!“, sagte sie jenen Lehrlingen, die sie scheitern sehen wollten. Und tatsächlich war sie nach den ersten zehn Wochen unter den besten fünf Nachwuchskräften. „Seitdem akzeptieren sie mich. Mit den Kollegen verstehe ich mich sehr gut“, kann Cornelia Bauernfeind heute sagen.
Hohe Anforderungen an Frauen. Dass Frauen in den Betrieben oftmals mehr leisten müssen, um akzeptiert zu werden, meint Daniela Knotz. „Du brauchst viel Selbstvertrauen. Und du musst besser sein als die Männer, sonst schaffst du es nicht“, ist die 22-jährige überzeugt. Umso größer war die Freude, als Daniela den ersten Platz bei einem Lehrlingswettbewerb schaffte. Auch Danielas Ausbildner Gerald Huber ist voll des Lobes für die weiblichen Lehrlinge im Betrieb: „Frauen sind genauer in der Arbeit und die Zeugnisse fallen immer sehr gut aus“, erzählt er. Huber betont jedoch, dass die weiblichen Lehrlinge wie alle anderen Mitarbeiter/innen behandelt werden. Was auch ganz im Sinne seines Lehrlings ist, wie Daniela sagt: „Ich will nicht besser, sondern gleichberechtigt sein“. Witze der Kollegen über ihren oststeirischen Dialekt freuen sie deshalb sogar ein klein wenig, „denn das würden sie bei einem Mann genau so machen“.
Kalender
Ziel des Kalenders „Just girls. Junge Frauen in Männerwelten“ ist es, Schülerinnen den Blick zu öffnen und sie zu ermutigen, in technische Bereiche zu schnuppern. Im färbigen Kalender wird jeweils auf einem Monatsblatt ein Lehrling mit Fotos und einem zusammengefassten Interview dargestellt. Die Vorbilder, die aufgezeigt werden, erzählen über ihre Arbeit, den Arbeitsplatz, die Berufsschule und ihre Kolleg/innen.
Eine kurze Beschreibung des Betriebs ist ebenfalls auf dieser Seite. Das kirchliche Jugendnetzwerk Strudengau (Perg und Grein) verteilt den Kalender in Jugendtreffs, Jugendräumen, Jugendzentren und Pfarren.
- Wer Interesse an dem Kalender hat, kann ihn bei Josef Froschauer, Jugendnetzwerker Grein, bestellen:E-Mail: josef.froschauer@dioezese-linz.at, Tel. 0676/87 76-58 65.