Was geistliche Berufe betrifft, bricht Gramastetten alle Rekorde: 115 Männer und Frauen ergriffen einen geistlichen Beruf, die allermeisten davon im 20. Jahrhundert. Neun davon gingen in die Mission.
Mission ist in der 3600 Katholiken zählenden Pfarre Gramastetten kein Fremdwort. Johanna Berndorfer, jahrzehntelang schon Mitglied der Missionsrunde und nun Gestalterin der Missions-Ausstellung, erzählt, dass sie schon als Kind – und mit ihr Generationen von Kindern – begeistert den Missionaren und Schwestern gelauscht hat, wenn sie auf Heimatbesuch waren. Sie schonte sogar ihre Kleider, damit diese, wenn sie ihr zu klein wurden, noch zu den „armen Kindern“ geschickt werden konnten.
Missionswelle. Nachdem sich P. Justin Wöhrer vom Stift Wilhering im Alter von 56 Jahren in die Mission gemeldet hatte, löste das eine Welle der Begeisterung in den Stiftspfarren aus – besonders in Gramastetten: Die leiblichen Brüder und gleichzeitig Wilheringer Ordensbrüder Leonhard (+ 1977) und Eckbert (+ 1985) Koblmüller folgten ihm nach Apolo in Bolivien. Ein weiterer Missionar war P. Alois Doppler (1914 bis 2000), der in Bolivien und in der Demokratischen Reublik Kongo wirkte. Die Zisterzienserinnen, Äbtissin Rosa Lummerstorfer (1904 bis 1988) und Sr. Bernarda Lummerstorfer (1909 bis 1997), gingen ebenfalls nach Bolivien – in das von P. Justin initiierte Frauenkloster, das bis heute besteht. Eine dritte Schwester starb kurz vor der Ausreise.
Die weiteren Gramastettner Missionare. Sr. Anna Josepha Kaiser von den Schwestern Oblatinnen (1913 bis 1996) war in Namibia im Einsatz, die Vöcklabrucker Franziskanerin Sr. Maria Patricia Keplinger (1891 bis 1976) in den USA. Zu den Steyler Missionaren gehörte Br. Job Matthias Mair (1887 bis 1973). P. Hermann Kaiser SVD (geb. 1941) war von 1969 bis 1986 in Indonesien tätig, zurzeit ist er Pfarrer in Südtirol. Durch P. Hermann ist seine Schwester Grete Dessl „mit Missionaren aufgewachsen“. Ihr Bruder brachte immer Mitstudenten vom Ordenshaus St. Gabriel in Mödling mit nach Hause. Bis heute kommen junge Steyler Missionare gerne. Heuer übernachteten schon Studenten aus acht Nationen in ihrem Haus.
Ein offener Geist im Ort. Die Heimat hat viel für ihre Missionare getan und tut weiterhin viel für die Mission, betont Johanna Berndorfer: „Aber es kommt auch viel zurück. Die Kontakte, die Begegnungen mit fremden Kulturen – all das schafft eine Offenheit allen Menschen gegenüber, und das ist schön. Ich glaube, das spürt man im Ort.“ Seit Monaten schon trägt sie Bilder, Fotos und Briefe für die Ausstellung „Gramastetten – Fenster in die Weltkirche“ zusammen. Es geht ihr dabei aber nicht so sehr um die Vergangenheit, sondern um die Gegenwart. Dass über faire Produkte informiert wird, hält sie für selbstverständlich. Warum sie die Ausstellung macht? – „Damit sich viele Menschen fragen: Was kann ich jetzt tun?“
- Die Ausstellung ist am 24. Oktober 2009 von 18 bis 21 Uhr, am 25. Oktober von 7.45 bis 12 Uhr und am 1. November von 7.45 bis 17 Uhr im Pfarrheim Gramastetten zu sehen.