Debatte über das Verhältnis Kirche – FPÖ. Links der FPÖ-Landesparteiobmann Lutz Weinzinger, in der Mitte der Geistliche Assistent der Katholischen Aktion, Christian Öhler, rechts Moderatorin Mag. Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer vom Sozialreferat der Diözese.
„Wer miteinander spricht, kann draufkommen, dass es auch Gemeinsamkeiten gibt“, meinte am Beginn der Veranstaltung „Kirche und FPÖ“ am 13. Oktober in Linz der Landesparteiobmann der FPÖ, Lutz Weinzinger, Richtung Kirche.
„Ich bin da in der falschen Veranstaltung“, meinte ein FPÖ-Sympathisant mitten in der Diskussion. Hier werde nur um die Ausländerfrage diskutiert. Es gebe so viele andere Fragen zwischen FPÖ und Kirche! – Das Schwergewicht der Ausländerfrage setzte allerdings die FPÖ selbst, im Wahlkampf und auch Lutz Weinzinger in seiner Eingangs-Rede.
Brandmelder und Brandstifter. Die Diskussion schälte wenig Gemeinsamkeiten heraus. Der Geistliche Assistent der Katholischen Aktion und Pfarrer von Linz-Auwiesen, Christian Öhler, mahnte im Blick auf die Zuwanderungsdebatte: Die FPÖ sei Brandmelder, werde aber durch die Betonung des Gegeneinanders zum Brandstifter. Weinzinger war bemüht, mit Zitaten aus dem Parteiprogramm darzustellen, wie ernst seine Partei das Christentum und dessen Bedeutung für Europa nehme.
Das Fundament Europas. Das Christentum präge wesentlich das Abendland. Weinzinger wünscht sich daher Christen und Kirchen, die sich gegen die geistige Bedrohung wehren. Er nannte die Gefahr der Islamisierung Europas. Genau die gelobten christlichen Werte sahen aber Diskutantinnen und Diskutanten von der FPÖ im Stich gelassen: „Wer das Kreuz verehrt“, sagte Öhler, „muss zu einer teilnehmenden Wahrnehmung des fremden Leids kommen. Niemals steht das Kreuz für die Haltung: Mir san mir und die anderen sollen schauen, wo sie bleiben.“ Öhler wies auf die Position der Katholischen Aktion hin: Österreich brauche einen Integrationsvertrag, der Pflichten und Rechte festhält. So sollten die zugewanderten Menschen hier arbeiten dürfen.
Viele Gefährdungen. Weinzinger brachte noch anderes zur Sprache, wofür er bei den Kirchen und in seiner Partei ein gemeinsame Sorge ortet: die Gefährdung der Familie, die Gefährdung „unseres Bestands“ (geringe Kinderzahl), die Gefährdung „unserer Denkart und Lebensweise“ und die Gefährdung der Sicherheit. Er verwehrte sich gegen den Vorwurf, dass auf FPÖ-Veranstaltungen gehetzt werde. „Es werden nur Sorgen angesprochen.“ Dem hielt der Kirchengeschichtler und Verleger Dr. Helmut Wagner entgegen, dass manche Rede bei FPÖ-Veranstaltungen verdächtig nahe an den Ausdrücken des Nationalsozialismus seien. Wagner nannte als ein Beispiel die „ordentliche Asylpolitik“.
Bruchlinien auch in der Kirche. Wagner skizzierte die historischen Wurzeln der FPÖ (Freiheitsbewegung 1848) – liberal, antiklerikal und antisemitisch. Die Kirche hatte wenig mit dem „dritten Lager“ zu tun. – Heute gebe es insbesondere aus der Sammlungsbewegung der konservativen Katholiken heraus, die mit der nachkonziliaren Reform-Euphorie nichts anzufangen wussten, bestimmte Achsen zwischen FPÖ und Kirche. Die Bruchlinie an Modernitätsverweigerung gehe aber, so Wagner, quer durch die Parteien und auch quer durch die Kirche. Ein rückwärts gewandtes, autoritär orientiertes Menschen- und Gesellschaftsbild politischer Parteienvertreter korrespondiere mit einem althergebrachten, jedes demokratische Element entbehrenden Kirchenbild.
ZUM THEMA
Wer wählt FPÖ?
Die FPÖ hat bei den Landtagswahlen 2009 in Oberösterreich 15,3 Prozent der Stimmen erreicht. Gegenüber dem Jahr 2003 war das ein Anstieg um fast 7 Prozentpunkte.Den größten Zuwachs erreichte die FPÖ bei den SPÖ-Wählern des Jahres 2003 (45.000 Stimmen). 21 Prozent der Männer, aber nur 9 Prozent der Frauen haben FPÖ gewählt. Bei der Jugend hat die FPÖ überdurchschnittlich gut abgeschnitten.Für die FPÖ-Wähler/innen war das Thema Zuwanderung sehrwichtig.
Nur wenige Wähler/innen gaben an, dass ihre Wahlentscheidung mit der Bundespolitik etwas zu tun hatte. Für die FPÖ-Wähler/innen war jedoch die Bundespolitik wichtig.