Walter Kirchschläger auf Vortragstour in Oberösterreich
Ausgabe: 2009/47, Kirche, Nähe, Kirchschläger, Vortragstour, Kirche
18.11.2009
- Matthäus Fellinger
Kirche lebt in überschaubaren Größen. Für den Luzerner Professor für Neues Testament Walter Kirchschläger gilt das auch in Zeiten der Globalisierung.
Einen Vortragsmarathon absolvierte Walter Kirchschläger Anfang letzter Woche in Linz und im Bildungshaus Schloss Puchberg. Er hielt einen Besinnungstag für ältere Priester, führte in das bevorstehende Lukasjahr ein und gab biblische Perspektiven für die Kirche von morgen. Dabei ginge es nicht darum, das Leben der frühen Kirche nur nachzuahmen, sondern die Kirche so zu gestalten, dass sie an Lebenskraft zunimmt. Der renommierte Bibliker verwies auf die frühe „Hauskirche“, die damals von den Hausgemeinschafts-Vorsitzenden – Männern wie Frauen – geleitet wurde. 50 bis höchsten 100 Leute hätten sich in diesen Gemeinschaften auch zum „Herrenmahl“ versammelt.Überschaubarkeit der kirchlichen Gemeinschaft hält Kirchschläger auch für die Zukunft für entscheidend, denn „Kirche ist ein Ort der DU-Begegnung“, eine „Beziehungsgemeinschaft“, in der einer den anderen stützt. Er plädiert daher für eine Ausfaltung kirchlicher Dienste auf diese kleinen, überschaubaren Räume hin, sodass diese Überschaubarkeit gewährleistet bleibt. In anonymen Größen könne die sonntägliche Eucharistie nicht wirklich gefeiert werden. Typisch für die frühe Kirche sei auch der „synodale“ Weg der Entscheidungsfindung gewesen. Da wurde nicht einfach demokratisch abgestimmt, man hat sich auf einen gemeinsamen Weg eingelassen. Die Vielfalt der frühen Kirche könne für die Zukunft hilfreich sein. Kirche hat sich an verschiedenen Orten unterschiedlich entfaltet. Das einzige außer Diskussion stehende Zentrum der Kirche sei das Christusbekenntnis. Alles andere, ob Liturgie oder Kirchenstrukur, sei dem nachgeordnet. „Wo im Zentrum nicht mehr Christus steht, sondern eine gesetzte Struktur oder die Liturgie, haben wir es mit einer Schieflage zu tun“, betont Kirchschläger. Auch in den kirchlichen Strukturen müsse das Wesen Gottes sichtbar sein.