Am Arbeitsmarkt ist die Krise noch gar nicht richtig angekommen, meint der Sozialwissenschafter Matthias Möhring-Hesse.
Englische Bankhäuser, die eben erst mit Milliardenhilfen durch den Staat gerettet wurden, laden neuerdings zu Vorträgen in Londoner Kirchen. Von Kanzeln aus verkünden sie nun ihre neuen Strategien. So berichtete letzten Sonntag „Die Presse“ aus London. An vertrauenswürdigen Orten wollen sie die Imageschäden aus der großen Finanzkrise vergessen machen und für ihre Zunft werben. Die Finanzwirtschaft ist drauf und dran, die früheren Verhältnisse wieder herzustellen. In einem Bereich „funktioniert“ es schon. Bei den „Bonuszahlungen“ für Spitzenmanager.
Krise erreicht Arbeitsmarkt. Unter dem Thema „Verroht unsere Gesellschaft?“ hat das Institut für Caritas-Wissenschaft an der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz am 20. November sein zehnjähriges Bestehen begangen. Der deutsche Sozialwissenschafter Matthias Möhring-Hesse äußerte sich dabei besorgt. Denn während am Finanzmarkt eifrig repariert wird, ist die Krise am Arbeitsmarkt noch gar nicht richtig angekommen, fürchtet er. Und dann wird man nicht mehr – wie jetzt – die Schuldigen bei verantwortungslosen Finanzjongleuren suchen. Man wird dann wieder den Sozialstaat als zu „aufgebläht“ angreifen.
Unter Gleichen. Für Möhring-Hesse gilt es nun, den Sozialstaat auf eine „helfende Solidarität unter Gleichberechtigten“ zu verpflichten. Caritas und Diakonie sollten sich nicht aus der Gestaltung des Sozialstaates hinausdrängen lassen, sondern selbst an den sozialstaatlichen Programmen mitschreiben.