Mit der „Kultur des zölibatären Lebens“ setzte sich der Priesterrat der Diözese Linz in seiner Herbst-Vollversammlung auseinander.
„Nach der öffentlichen Meinung müssten wir sehr verkümmerte Menschen sein, denen das Schöne im Leben vorenthalten ist.“ So leitete der ehemalige Regens des Priesterseminars in St. Pölten, Prälat Mag. Franz Schrittwieser, seine Impulse zum Thema „Kultur des zölibatären Lebens“ vor dem Priesterrat am 20. November im Bildungshaus Schloss Puchberg ein. Wo der Zölibat nur „in Kauf genommen wird“, um Priester werden zu können, ist das kein tragfähiges Fundament, betonte Schrittwieser. In der heutigen Zeit sei der Zölibat nur wenig abgestützt. Ohne echte „Berufung“ zum Zölibat sei dieser daher nur schwer lebbar.
Glückliches Leben ist möglich. Der „unbehauste Jesus“, der in dieser Welt nirgendwo eine feste Bleibe hatte, kann diese Motivation darstellen. Ehelos zu leben bringe nämlich auch ein Stück Unbehaustheit mit sich, meinte der erfahrene Begleiter vieler, die sich auf den Priesterberuf vorbereitet haben. Mit einer solchen starken Motivation – so Schrittwieser – kann es gelingen, auch ehelos glücklich zu leben. Der Zölibat sei dann Zeichen, „dass eine bleibende Sinnerfahrung in dieser Welt nicht möglich ist“. „Wir sind Menschen, die die Hoffnung auf etwas Neues ausrichten“, betonte Schrittwieser. In der Lebenspraxis sei ganz entscheidend, dass zölibatäre Priester auch in einer Gebetsgemeinschaft und in einer Tischgemeinschaft mit anderen leben. Wie dies beim heutigen Priestermangel möglich ist, darüber tauschten sich die Priesterratsmitglieder aus. Solche Priestergemeinschaften lassen sich einerseits nicht verordnen. Auf der anderen Seite müssen sie möglich sein und gefördert werden. Auch Priester, wurde betont, brauchen Seelsorger, die sich für sie Zeit nehmen.