Am 29. November jährte sich zum 125. Mal der Todestag des Ehrwürdigen Dieners Gottes Franz Joseph Rudigier, der von 1853 bis 1884 Bischof von Linz war. 31 Jahre hat er die Geschicke der Diözese geleitet. Er tat es mit väterlicher Güte, großem Wissen und bemerkenswerter Festigkeit. Er war ein umsichtiger Hirte, der aus tiefer Gottverbundenheit und mit apostolischem Eifer wirkte. Ein besonderes Anliegen war ihm die Weckung von geistlichen Berufen. Er trug Sorge für die Priesteramtskandidaten. Ebenso bemühte er sich, religiöse Ordensgemeinschaften und Kongregationen ins Land zu holen und neue Niederlassungen zu gründen. Er förderte das religiöse Leben im ganzen Land.
Sein Wirken. Der erste Abschnitt seines bischöflichen Wirkens (1853 bis 1861) ist gekennzeichnet durch die Planung und den Baubeginn des Neuen Domes, den er der Unbefleckten Empfängnis Mariens weihte. Er verstand es, das gläubige Volk für den Bau dieser Kathedrale zu gewinnen. Viele Wohltäter und Gönner haben sich dieses Anliegens angenommen. Der zweite Abschnitt seines Wirkens (1861bis 1869) zeigt ihn als engagierten Kämpfer für die Rechte der Kirche, die auf politischer Ebene von den Liberalen eingeschränkt und bekämpft wurden. Die Liberalen wollten das Konkordat (1855) abschaffen. Es entstand ein schwerer Streit um die Maigesetze von 1868. Bischof Rudigier ertrug geduldig all die Kämpfe, die er an vorderster Front im oberösterreichischen Landtag auszufechten hatte. Ein Hirtenbrief, den er diesbezüglich schrieb, wurde konfisziert. Kurze Zeit später wurde gegen ihn ein Strafprozess eröffnet, der mit der Verurteilung des Bischofs zu 14 Tagen Arrest endete. Doch am Tag des Antritts seiner Strafe hat ihn der Kaiser begnadigt. Der dritte Abschnitt seines Wirkens (1869 bis 1884) ist gekennzeichnet durch großen pastoralen Einsatz. Insgesamt machte er 871 Pastoralreisen und Visitationen in seiner Diözese, zumeist mit der Pferdekutsche.Im Jahr 1884 spürte er, dass die Kräfte immer mehr schwanden. Ein Nierenleiden machte ihm schwer zu schaffen. Nach leidvollen Wochen der Krankheit verstarb er am 29. November 1884. Sterbend betete er: „Christe, wenn es kommt zum Ende, mögen mich Mariens Hände führen zu des Siegers Freud.“ Und dann: „Lebt wohl! Ich gehe heim ins Licht, zur Liebe, zum ewigen Leben. Jesus, Maria – wie lieb ich euch!“
Prozess zur Seligsprechung. Der Seligsprechungsprozess für Bischof Rudigier ist bereits an einem guten Punkt angelangt. Beeindruckend sind einzelne Aussagen im Prozess.Vor allem wird gesagt, dass die Entscheidungen seines Lebens von seinem großen Glauben her motiviert sind. Er lebte zutiefst vereint mit Gott, dessen Ehre er als Ziel und Sinn seines Lebens betrachtete. Diesbezüglich war ihm die gläubige Atmosphäre seines Elternhauses in Partenen (Montafon-Tal), wo er am 7. April 1811 geboren wurde, eine große Hilfe. Seine Studien in Innsbruck und Brixen verhalfen dazu, dass er neben dem Studium sein Leben immer mehr auf Gott hin ausrichtete. Auch als Bischof gelang es ihm, in den Herzen der Getauften den Glauben zu vertiefen und zu festigen. Groß war seine Liebe zum Papst und zum Lehramt der Kirche. Er bemühte sich um die religiöse Unterweisung der Kinder und Jugendlichen. Sehr groß war seine Verehrung der heiligen Eucharistie. Immer wieder betete er vor dem Allerheiligsten. Die hl. Messe feierte er stets mit großer Würde und Sammlung. In Liebe war er der Gottesmutter Maria zugetan. Er wird auch als „Bischof des Mariendomes“ bezeichnet. Er liebte das Rosenkranzgebet und besuchte gerne die Marienwallfahrtsorte im Land.