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„Ganz natürlich katholisch“

Interview mit Landesrätin Mag. Doris Hummer
Ausgabe: 2009/49, Hummer, Landesrätin, Kirche, Frauen, Politik
02.12.2009
- Matthäus Fellinger


Mit den Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaft, Jugend und Frauen hat Landesrätin Mag. Doris Hummer Ressorts inne, die auch der Kirche wichtig sind. Die KirchenZeitung sprach mit ihr über Persönliches und Politisches.


Wie beurteilen Sie den Beitrag der Kirche für Bildung in Oberösterreich?
Es ist ein ganz wesentlicher Beitrag, weil ganz viel im Ehrenamt, etwa bei den Bibliotheken oder in den Bildungshäusern, geleistet wird. Ich habe letztes Wochenende das Bildungshaus Schloss Puchberg kennenlernen dürfen, das ist ein ganz tolles Haus.

Sie waren Vorsitzende der Katholischen Hochschulgemeinde. Hat auch die Kirche Ihren Weg geprägt?
Ich komme ja aus einer Pfarre, in der das Leben eng verbunden ist mit der Kirche. Wenn man in so einem Dorf groß wird, passiert das ganz natürlich. Ich war Jungscharleiterin, viele Jahre. Ich war auch in der Katholischen Jugend aktiv und bin dann in der Katholischen Hochschulgemeinde gelandet, weil es damals das günstigste Heim gewesen ist. Da hat die Geldbörse mitentschieden. Ich habe mich wahnsinnig wohl gefühlt dort. Als Vorsitzende habe ich damals kennenlernen können, wie solche Organisationen funktionieren – auch auf Österreichebene.

Bildung wird oft vorrangig als Berufsausbildung gesehen – in Spannung zur Allgemeinbildung. Wo liegt Ihr Schwerpunkt?
Man braucht berufliche Qualifikation – und man muss wissen, wer man ist und wie man gut auftritt. Das muss immer Hand in Hand gehen. In Zeiten der Wirtschaftskrise geht es in erster Linie darum zu schauen, dass die Leute ihre Jobs behalten können und dass sie für ihre Jobs gut gerüstet sind. Aber Persönlichkeitsentwicklung hat genauso großen Stellenwert wie Berufsausbildung.

Es liegt zwar nicht in Ihrem Zuständigkeitsbereich: Aber werden Geisteswissenschaften nicht ausgetrocknet, weil das Geld eher Richtung Medizin, Wirtschaft usw. fließt?
In Oberösterreich etablieren wir die natur- und geisteswissenschaftlichen Bereiche auf der Uni. Das haben wir auch in unserem Programm festgeschrieben.

Sie sind auch Jugend-Landesrätin. Was ist Ihr Ziel in dieser Funktionsperiode?
Da gibt es so einen Spruch: Die Jugend weiß zuerst, was sie nicht will, bevor sie weiß, was sie will. Es geht darum zu zeigen, was es alles gibt und was man alles wollen kann. Orientierung und Selbstsicherheit geben, das ist ganz klar Aufgabe einer Jugendpolitik – und dabei nicht an der Schultüre aufzuhören, sondern auch im Freizeitbereich. Wir haben 2009 eine Jugendstudie in Auftrag gegeben. Herausgekommen ist: Das Wichtigste ist der Jugend Gesundheit, eine funktionierende Familie, gute Freunde, die Beziehungen, der gute Job. Das ist auch ein Auftrag für mich, diese Meinungen und Wünsche ernst zu nehmen.

Wie sehen Sie die kirchliche Jugendarbeit?
Ich glaube, die Kirche trägt hier ganz viel bei. Wenn ich nur meine Biographie hernehme: Sie bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, ins Gemeindeleben einzutreten und dort ihren Beitrag zu leisten für die Gesellschaft durch Organisationen wie eine Jungschar, wie eine Jugend. Christliche Werte und der Glaube sind da schon etwas ganz Wichtiges. Sie können viel Orientierung und Halt geben.

Sie sind Frauen-Landesrätin. Was gefällt Ihnen gut, was Kirche und Frauen betrifft?
Was die Kirche sehr gut versteht, ist die Frauen zu nutzen. Ich glaube, dass die Kirche sehr gut erkennt, was für Potenzial die Frauen – gerade in den Pfarren – bilden. Letztendlich sind die Frauen einfach die, die nicht nur in den Familien, sondern auch in den Pfarren sehr viel organisieren und zusammenhalten. Ich glaube, das ist schon ein Verdienst der Kirche, hier entsprechende Möglichkeiten für Frauen zu schaffen, sich einzubringen.

Ihre sonstigen Wünsche zum Thema Kirche?
Natürlich habe ich durch mein Alter und Geschlecht einen liberaleren Zugang zu manchen Themen, wo die Kirche eher engere Vorstellungen hat. Ich würde mir von der Kirche ab und zu wünschen, dass sie noch stärker in den Dialog der Gläubigen und der Menschen tritt, die in der Kirche tätig sind.

Was ist Ihr Hauptanliegen als Landesrätin?
In jedem Bereich gibt es ein Herzstück. In der Schule ist es, dass die Kinder wirklich im Mittelpunkt stehen – und nicht das Schulsystem, die Organisation des Landesschulrates oder wie viele Stunden jemand unterrichtet. Was brauchen Kinder, damit sie selbstsicher werden und wissen, was sie können? Darum geht es vor allem anderen.
Beim Frauenthema ist das für mich die Gleichberechtigung und Selbstbestimmtheit. Da muss man immer an den Rahmenbedingungen drehen, damit Frauen auch eine Wahlfreiheit haben: Möchte ich zu Hause sein bei meinem Kind, möchte ich meinen Beruf weiterführen, in welchem Ausmaß?
Wir müssen gesellschaftlich den Diskurs führen, welchen Stellenwert in Zukunft Kindererziehung hat. Auch, welche Aufgaben Männer in dieser Hinsicht übernehmen.
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