Dem traditionellen Herbergsuchen ähnlich, ist der lebendige Adventkalender ebenfalls eine Form, sich gemeinsam auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. In Enns stößt diese Aktion auf große Zustimmung.
Gasthaus Stöckler bei der Ennsbrücke. So nach und nach kommen Leute in kleinen Grüppchen, unter ihnen auch Kinder, und bleiben vor der Wirtshaustür stehen – bei einem mit einem Lichterkranz geschmückten Fenster, auf dem ein Plakat klebt. Das ist das Logo des lebendigen Adventkalenders der Ennser Pfarren mit der Ziffer 3 im Zentrum. Das Plakat hing schon seit Längerem dort und erinnerte: Am 3. Dezember macht der Adventkalender bei den Wirtsleuten Stöckler Station. „Obwohl wir im Advent wirklich volles Programm im Gasthaus haben – einmal zumindest möchte ich für mich selbst etwas tun, einmal kurz zum Aufatmen kommen“, sagt Margarethe Stöckler. Punkt 18.30 Uhr begrüßt sie die Mitfeiernden, an die 40 sind gekommen, und übergibt das Wort an Familienmitglieder und Bekannte. Es wird gesungen und gebetet, es werden Texte zur Besinnung gelesen. Anschließend gibt es eine kleine Stärkung bei Beeren- und Orangenpunsch, bei Apfelbrot und ungarischen Kipferln. Nach einer Stunde bedienen die Wirtsleute bereits wieder ihre Gäste. Zuvor aber sagten sie noch: „Es war richtig schön!“
Zeitlich begrenzt. Reinhilde und Georg Spiekermann haben im Vorjahr erstmals den lebendigen Adventkranz in Enns initiiert und organisiert. Für viele Leute ist das ein optimales Angebot für den Advent, weil es zeitlich gut begrenzt und der Aufwand überschaubar ist, betonen sie. Meditations- und gemütlicher Teil dauern je zwanzig Minuten, und das Treffen spielt sich vor dem Haus ab. Bei Regen unterm Carport oder in der Garage. Die Gestaltung der Besinnung ist den Gastgeber/innen selbst überlassen: Das Ergebnis ist so bunt, wie die Pfarren sind. Da hat das Rosenkranzgesätzchen genauso Platz wie das Flötenspiel von Kindern oder das Rollenspiel von Jungscharkindern. Der Kreis der Gastgeber ist ebenfalls bunt: Neben Familien machen das Altenheim und auch Betriebe mit. Dass sogar für 2010 schon Anmeldungen vorliegen, zeigt, dass die Pfarren mit diesem Angebot auf einem richtigen Weg sind.
Fenster der Erinnerung. Einige Zeit vor Adventbeginn werden die Gastgeber/innen gebeten das Logo mit dem Datum des Treffens auf einem Fenster ihres Hauses anzubringen. Das dient der Werbung und gleichzeitig hält das Logo die Botschaft des Advent an 24 ganz unterschiedlichen Orten in der Stadt präsent: „Mache dich auf und werde Licht“ ist groß auf den Plakaten zu lesen. Überdies sind die geschmückten Fenster ein kleines Glaubensbekenntnis. Die Bewohner/innen des Hauses sagen damit: „Zum Advent gehören Besinnung und Gebet.“
Der lebendige Adventkalender von Enns machte am 3. Dezember bei Familie Stöckler vor deren Gasthaus Station. Als Vertreter der Pfarren war Kaplan P. Martin Bichler OFM (5. von links) dabei.