Landesrat Josef Ackerl hat darauf hingewiesen, dass magere Jahre auch für das Sozialbudget des Landes kommen (siehe Seite 5). Viele Sozialeinrichtungen werden das zu spüren bekommen. Auch der Sozialverein B 37 in Linz.
„Es schaut schlimm aus“, sagt Ernst Achleitner, Geschäftsführer des B 37. „Wir hätten dringende Anliegen, etwa dass in unserem Wohnhaus endlich eine zweite Person Nachtdienst machen kann, und die soll aus dem Pflegebereich kommen.“ Der Verein ist in mehreren Bereichen aktiv. Am bekanntesten ist er für sein Wohnungsangebot für obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. B 37 ist aber auch in der Alkoholikerberatung und Stabilisierung von entwöhnten Alkoholiker/innen tätig
Pflegebedürftig. Das Wohnhaus B 37 in der Bethlehemstraße 37 in Linz hat 123 Plätze, aufgeteilt in mehrere Wohngruppen mit Aufenthaltsraum, Bad und Gemeinschaftsküche, „denn die Leute sollen sich so weit wie möglich selbst versorgen“. Sie zahlen eine erschwingliche Miete. Die Aufenthaltsdauer steigt. Fast 40 Prozent sind nun länger als ein Jahr im B 37! Meistens ist das Wohnheim überbelegt – und gibt bis zu 130 Menschen ein Dach überm Kopf. Ab 21 Uhr macht dann nur noch eine Person Dienst, unterstützt von Hilfsdiensten. Doch niemand mehr aus dem Pflegebereich ist da. Doch die Pflegefälle werden mehr. Etwa ein Drittel der Bewohner/innen hat Pflege notwendig – bis zu Pflegestufe 5! – Es wird zudem schwieriger, Pflegebedürftige in Heimen unterzubringen, weil das B 37 auch eine Pflegestation hat.
Krank. Ein Krankenzimmer wären für alle Einrichtungen notwendig, sagt Achleitner. Was macht ein Mensch, der keine Dauerbleibe hat, wenn er krank ist? Die Notschlafstelle in der Anastasius-Grün-Straße 2, wo Menschen vorübergehend bleiben können, hat 59 Betten. Hier kann man allerdings nur die Nacht bleiben, um halb acht Uhr in der Früh muss man das Quartier verlassen. „Soll ich einen, der 38 oder 39 Grad Fieber hat, um halb acht auf die Straße stellen? Das ist unzumutbar!“ Im B 37 kann er auch untertags sein.
Psychische Probleme. Ein obdachloser Mensch ist nicht nur obdachlos, ihm machen viele Probleme zu schaffen. „Alle bei uns haben auch psychiatrische Diagnosen“, sagt Ernst Achleitner. Deswegen wäre die angedachte eigene Station (Stammhaus mit mehreren Außenwohnungen) für die anwachsende Zahl junger Menschen im B 37 wichtig. Denn das B 37 ist keine Arbeitstrainingsmaßnahme. „Man könnte aber aus vielen bedeutend mehr herausholen. Es ist schade, dass man die Jungen eher negativen Vorbildern aussetzt.“
Rundgang im B 37
Momentaufnahmen beim Gang mit Geschäftsführer Ernst Achleitner durch das Wohnhaus des B 37:
„Sa ma froh, dass so was gibt“, sagt ein Bewohner. Er wohnt seit 1995 hier.
In der hauseigenen Wäscherei ist täglich viel zu tun: Im Pflegebereich fällt viel Wäsche an.
Im Aufenthaltsraum bastelt ein Maturajahrgang der HAK Traun mit jungen Bewohnerinnen, eine von ihnen ist 26 Jahre alt. Sie hat vor mehr als einem Jahr alles aufgegeben und „nix mehr wollen“. Ihre vier Kinder (sieben, fünf, vier und ein Jahr alt) können nicht bei ihr wohnen. Aber sie besucht sie regelmäßig.
Ein Mann, angeschlossen an ein Beatmungsgerät. Seine Lunge hat nur noch 10 Prozent Funktion. Er raucht – „man muss sich ja was gönnen“!
Ein irakischer Arzt ist schwer depressiv. Er glaubt nicht mehr, dass er eine Zukunft hat.
Kekse und Dosen
Kekse, hausgemachte Weihnachtsbäckereien sind bei den Bewohner/innen des B 37 sehr begehrt. Dankbar nimmt das B 37 solche Spenden, die dieBewohner/innen an ihre Kindheit erinnern, in Empfang. Auch für haltbare Dosenkost ist immer Bedarf!
- Geschäftsführer Ernst Achleitner, B 37, Bethlehemstraße 37, 4020 Linz, Tel. 0732/77 86 82-10, www.b37.at